Präambel
Zahnkaries (Zahnverfall) ist eine weit verbreitete Mundkrankheiten, deren
Prävention zu den Hauptanliegen der Weltgesundheitsorganisation zählt. Trotz des
erheblichen bisherigen Präventionserfolgs ist die Restauration kariöser Zähne
nach wie vor eine Notwendigkeit. Bei der Behandlung von Karies sollte krankes
Gewebe entfernt und das für die Zahnrestauration jeweils optimale
Füllungsmaterial verwendet werden. Dentalamalgam, eine Kombination aus
Quecksilber und Silberlegierungen, ist das in diesem Zusammenhang am häufigsten
verwendete Material. Obwohl gemäß aktuell vorliegender Erkenntnisse
zahnärztliche Restaurationsmaterialien - einschließlich Dentalamalgam - als
sicher und effektiv zu betrachten sind, wurden Bedenken bezüglich der
gesundheitsbeeinträchtigenden Wirkungen des in Amalgam enthaltenen Quecksilbers
laut. Basierend auf einer Auswertung zahlreicher, zum Teil widersprüchlicher und
aus unterschiedlichen Quellen stammender Aussagen, hat die WHO die folgende
Konsenserklärung zum Thema Dentalamalgam verfasst:
Dentalamalgam ist ein für die Wiederherstellung von Karies befallener Zähne
häufig verwendetes Restaurationsmaterial. Es ist seit über einhundert Jahren
erfolgreich im Einsatz, wobei seine Qualität im Laufe der Zeit verbessert wurde.
Amalgamrestaurationen sind dauerhaft und kostengünstig, wenngleich nicht
zahnfarben. Obwohl in die Entwicklung dentaler Restaurationsmaterialien viel
Forschungsarbeit geflossen ist, existiert derzeit kein Füllungsmaterial, das ein
ähnlich breites Anwendungsspektrum bei dergleichen leichten Verarbeitbarkeit und
den gleichen physikalischen Eigenschaften aufweist wie Dentalamalgam. Im übrigen
geht mit der Verwendung der derzeit erhältlichen Restaurationsmaterialien als
Amalgam-Alternativen eine erhebliche Verteuerung der zahnärztlichen Versorgung
einher.
Aus Dentalamalgam gefertigte Restaurationen gelten im allgemeinen als
unbedenklich. Allerdings besteht in einigen seltenen Fällen die Möglichkeit,
dass Bestandteile von Amalgam oder sonstigen Materialien lokale Nebenwirkungen
oder allergische Reaktionen hervorrufen. Zwar werden insbesondere während des
Legens und Entfernens von Amalgamrestaurationen in geringe Mengen Quecksilbers
freigesetzt. Allerdings ist bislang kein endgültiger Beweis dafür erbracht
worden, dass dies zu gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen führt.
Besorgnis um die schädigende Wirkung von Quecksilber veranlasst manche Patienten
dazu, Amalgamrestaurationen entfernen zu lassen, ganz gleich, ob bei ihnen die
entsprechenden Symptome vorliegen oder nicht. Trotz der großen Zahl von
Fallstudien und informellen Berichten liegen bislang keine kontrollierten
Studien vor, die auf die Entstehung systemischer Nebenwirkungen durch Amalgam
hinweisen. Umgekehrt ist bislang kein wissenschaftlicher Beweis darüber erbracht
worden, dass das Entfernen von Amalgamrestaurationen zur Beseitigung von
allgemeinen Symptomen führt. Daher sollte erwägt werden, Patienten, bei denen
die Symptome trotz eingehender und sorgfältiger Untersuchung sowie Durchführung
einer angemessener Behandlung des Zahnarztes auftreten, zur Diagnose und
Behandlung an Kollegen in anderen medizinischen Disziplinen zu überweisen.
Berufsbedingtes Risiko für das zahnärztliche Team
Für das Praxispersonal, das mit Quecksilber in Berührung kommt, besteht dann ein
Gesundheitsrisiko, wenn unzulängliche Arbeitsbedingungen herrschen. Die strikte
Beachtung wichtiger Vorgaben zum Umgang mit Quecksilber und die strenge
Überwachung von Quecksilberdämpfen in den Praxisräumen tragen erheblich zur
Eindämmung der Quecksilbergefahr bei.
Umweltprobleme
Das Quecksilber kann zusammen mit dem übrigen Praxisabfall in die Umwelt
gelangen und so erhebliche Belastungen verursachen. Spezialausrüstungen
ermöglichen das getrennte Sammeln der beim Legen und Entfernen von
Amalgamfüllungen entstehenden metallischen Abfälle. Für das sachgerechte
Entsorgen und Wiederaufbereiten dieser Abfallstoffe stehen moderne Technologien
zur Verfügung. All dies trägt zur Reduzierung der Umweltbelastung bei. Ein
weiteres Umweltproblem verursacht Quecksilber aus Krematorien.
Öffentliche Meinung und Massenmedien
In der heutigen Zeit findet ein reger weltweiter Informationsaustausch zum Thema
Dentalamalgam statt. Aus umweltpolitischen Gründen sind manche Länder dazu
übergegangen, den generellen Einsatz von Quecksilber - u.a. in Dentalamalgam -
einzuschränken. In den Ländern, die restriktive Maßnahmen eingeführt haben, hat
die Darstellung der Situation in den Massenmedien für eine vielfach verzerrte
öffentliche Auffassung gesorgt. Dies führte zu zahlreichen Anfragen bezüglich
der Sicherheit und Unbedenklichkeit von Dentalamalgam sowie zu einer
gesteigerten Nachfrage hinsichtlich des Entfernens von Amalgamfüllungen. Laut
aktuellem Kenntnisstand sind die derzeit vorhandenen Restaurationsmaterialien,
einschließlich Dentalamalgam, als sicher und zuverlässig zu betrachten.
Allerdings kommt es gelegentlich zu biologischen Gegenanzeigen. Diese sind
jedoch individuell bedingt und demgemäss individuell zu behandeln. Die WHO
erkennt die Bedeutung einer fortgesetzten Sicherheits- und
Wirksamkeitsüberwachung aller dentalen Restaurationsmaterialien an.