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SNA-Winkel
Sella-Nasion-A Punkt Winkel, engl.: Sella-Nasion-A point angle; zur Bestimmung der sagittalen Lage des Oberkiefers im Bezug zur vorderen Schädelbasis; Winkel zwischen Sella - Nasion - A-Punkt mit diesen Werten:
Normalwert: 80 - 82° bei Erwachsenen
> 82°= maxillare Prognathie oder Antemaxillie
< 80°= maxillare Retrognathie oder Retromaxillie

Der sog. ANB-Winkel gibt die sagittale Position des Oberkiefers in Relation zum Unterkiefer an. Er ergibt sich als Differenz aus dem SNA- und SNB-Winkel (SNA - SNB). Dieser kann sowohl positive als auch negative Werte annehmen. Liegt z.B. der A-Punkt vor der NB-Linie, so ist der Wert positiv, im umgekehrten Fall entsprechend negativ. Liegt der A-Punkt auf der NB-Linie, so ist der ANB-Winkel 0°.

A-Punkt, Basiswinkel, Bergen-Analyse, B-Punkt, Fazialkonvexität, Fernröntgenbild, FRS-Analyse, Nasion

 


SNB-Winkel
Sella-Nasion-B-Punkt-Winkel, engl.: Sella-Nasion-B point angle; zur Bestimmung der sagittalen Lage des Unterkiefers;  Winkel zwischen Sella - Nasion - B-Punkt mit diesen Werten:
Normalwert : 78° - 80° bei Erwachsenen
>80° = Antemandibulie oder mandibuläre Prognathie
<78° = Retromandibulie oder mandibuläre Retrognathie
A-Punkt, Bergen-Analyse, B-Punkt, Fernröntgenbild, FRS-Analyse, Nasion, SNA-Winkel ; Abb. unter SNA-Winkel

SN-Ebene , Sella-Nasion Ebene ; Gesichtshorizontale

Snyder Test
"Säuretest", engl.: do.; historischer Test zur Kariesaktivität, heute durch moderne und schnellere Methoden abgelöst ( Speicheltest); besonders bei Laktobazillen angewandtes Speichel-Testverfahren mittels Farbumschlag von Grün nach Gelb, welcher auf einem Agar-Substrat nach einer Inkubationszeit von 24 Std/37° C bei einem pH-Wert unter 4,8 auftritt.
Kariesdiagnostik

Sockeln
engl.: box an impression; Vervollständigen eines ausgegossenen Abdrucks (Modell) mit einem "Sockel", i.d.R. unter Zuhilfenahme eines Modellsockelformers (rubber base former). Dabei sollten nach Möglichkeit alle Schädel-Ebenen (Tuberebene, Raphe-Median-Ebene, Okklusionsebene) exakt berücksichtigt werden.
Modell

socket preservation
Stabilisierung der Extraktionswunde
mit Knochenersatzmaterialien, augmentatives Verfahren, welches besonders im Oberkiefer-Frontzahnbereich eingesetzt wird, um ein Einsinken des Zahnfleisches in den durch mangelnden Knochen entstandenen Defekt zu verhindern, der z.B. auftritt, wenn ein Schneidezahn entfernt wird. Man kann die Extraktionswunde entweder mit Knochenersatzmaterial auffüllen oder bei entzündungsfreien Verhältnissen eine Sofortimplantation durchführen.
Fremdlink 1
Fremdlink 2

Sodbrennen , engl.: heartburn, waterbrash; Reflux

Sofortbelastung
von Implantaten
, Sofortversorgung, engl.: "immediate loading"; mit Unterteilung in:
"sofort funktionell belastet" (Immediate Functional Loading, IFL) und
"sofort außer Okklusion belastet" (Immediate Non-Functional Loading, INFL).
Wissenschaftlich umstrittenes (2010), in Laienmedien gern herausgestelltes Verfahren im Zusammenhang mit dem Setzen von Implantaten, indem die bei konventionellen Verfahren übliche Wartezeit für das Einheilen (~ 3 Monate im Unterkiefer, ~ 5-6 Monate im Oberkiefer) ignoriert und so die Gesamtbehandlungszeit bei der Implantattherapie entscheidend verkürzt wird. Die konventionelle Wartezeit wurde von einem der Väter der modernen Implantologie, Prof. Per-Ingva Branemark, mit dem Konzept der "unbelasteten Einheilung" definiert und gilt (2010) für viele Implantologen als Goldstandard, obwohl sich hier durch Fortschritte bei der Planung und besserer Kenntnisse der Einheilungsprozesse ein Umdenken anzubahnen scheint. Offensichtlich scheinen aber individuelle, biologische Gegebenheiten bei einer S. nicht vorhersehbar sein.
Wenn angewandt, sollte das Verfahren der S. auf Rekonstruktionen ganzer Kiefer beschränkt bleiben (die Suprakonstruktion wirkt dann stabilisierend als Schienung) und Implantatseitig eine gute primäre Stabilität aufweisen (Insertions-Drehmoment von mindestens 30 Ncm). Die sofort belastete Suprakonstruktion sollte in diesen Fällen nur provisorisch zementiert oder verschraubt werden und keinesfalls vor Ablauf von 2 - 3 Monaten wieder abgenommen werden, da eine Manipulation an den frischen Implantaten deren Osseointegration erheblich beeinträchtigt.
Nirgends definiert ist bisher (2006) die Zeitspanne für den Begriff "Sofort-". In der Literatur tauchen dafür Zeiträume von einem Tag bis zu 14 Tagen nach Implantatinsertion auf. Auch erlaubt das bisher vorliegende Datenmaterial (2010) keine Rückschlüsse im Sinne einer Evidenz darauf, ob die S. dem konventionelle Vorgehen ebenbürtig, besser oder schlechter ist.
Eine direkte Versorgung von Einzelzahnimplantaten mit unbelasteten provisorischen Kronen ist dagegen bei guter Knochenqualität unproblematisch, da diese Provisorien frei von okklusalen und funktionellen Belastungen sind. Korrekt sollte man hierbei aber nicht von einer S. sprechen, sondern von einem individuellen "Heilungsbehelf" ("healing abutment").
In Laienkreisen bestehen gern Begriffsverwechslungen zwischen S. und Sofortimplantation
Implantat, Implantat,-temporäres, Implantationszeitpunkt, Osseointegration, Ostel mentor, Schrauben-Implantat, Sofortimplantation
Sofortversorgung ­ ein funktionierendes Konzept?

Sofortimplantation
Sofortimplantat, "Schnellimplantat", engl.: immediate implantation; Einsetzen eines Implantats unmittelbar im Anschluss eines entfernten (eigenen) Zahnes in die noch frische (Extraktions-)Wunde (Alveole); Haupteinsatzgebiet ist der (unfallbedingte) Verlust von Frontzähnen ohne ausgedehnte Schäden an Weichteilen und Knochen und in zunehmendem Maß auch normale Implantationen im Anschluss an eine geplante Extraktion. Man bezeichnet dies als primäre Sofortimplantation. Der Extraktionsalveole mit umgebendem Knochengewebe wird ein hohes Regenerationspotenzial nachgesagt. Allerdings zeigten Tierstudien, dass eine enge Passung zwischen Implantat und Knochen für die Osseointegration von entscheidender Bedeutung ist. Ein Spalt von 1 mm Breite gilt als eine kritische Entfernung ( Primärstabilität). Allerdings: Nach Zahnextraktionen und direkter Implantation in die Extraktionsalveole ist die Dimension der Alveole meist größer als der Durchmesser des eingebrachten Implantats und es besteht teilweise ein erheblicher Spalt zwischen Implantatschulter und Alveolenrand. Um diese Schwäche zu kompensieren, arbeiten andere Verfahren entweder durch Einbringen von Knochenersatzmaterial (z.B. BioOss™) und/oder nach der sekundären oder verzögerten Sofortimplantation: Das Einsetzen der künstlichen Zahnwurzel erfolgt in einem Zeitraum von etwa 6 bis 10 Wochen. Dieser Zeitraum soll zur Ausheilung etwaiger Entzündungsprozesse dienen, eine engere Passung (s.o.) herstellen und so eine bessere Einheilung gewährleisten.
Die S. wird wissenschaftlich kontrovers diskutiert: Als Vorteile gelten, dass der Eingriff mit der Extraktion verbunden ist, ein zweiter chirurgischer Termin somit entfällt, die Wundheilung und Einheilungsphase verläuft zeitgleich und es fallen keine langen Überbrückungsphasen mit Provisorien nach der Extraktion des nicht mehr erhaltungswürdigen Zahnes an. Als Nachteil gilt der Umstand, dass nicht erhaltungswürdige Zähne meist im Wurzelbereich bakterielle Verunreinigungen aufweisen, welche die Einheilphase u.U. empfindlich stören können. Entscheidender Nachteil ist aber, dass nach S. das Verhalten insbesondere der Weichgewebe nicht ohne weiteres vorauszusehen ist; Komplikationen/Misserfolge treten deshalb häufiger auf.

Wird das Implantat konventionell erst nach Abheilen aller knöchernen Umbauvorgänge inseriert ( ~ 15-20 Wochen), so spricht man  auch von einem Spätimplantat (engl.: delayed implant). Die Kurzzeit-Überlebensraten von Implantaten bei Sofort- und bei verzögerter Sofortimplantation sind ähnlich und in jüngerer Zeit (2010) annähernd vergleichbar mit den konventionellen Verfahren ("Spätimplantation"); Langzeitergebnisse stehen aus.
In Laienkreisen bestehen gern Begriffsverwechslungen zwischen Sofortbelastung (Sofortversorgung) und S.
BOI-Implantat, Implantat, Implantat,-temporäres, Implantationszeitpunkt, Kurzimplantate, Osseointegration, Ostel mentor, socket preservation, Sofortbelastung, Tübinger Sofortimplantat
Sofortversorgung ­ ein funktionierendes Konzept?

Sofortinlay
engl.: direct o.  immediate inlay; unübliche Bezeichnung für ein Inlay, welches in derselben Sitzung präpariert und eingesetzt wird. Meist handelt es sich dabei um Komposite-Inlays, welche nach Abdrucknahme im Praxislabor gefertigt und am selben Tag noch eingesetzt werden. Ebenfalls gehören auch Cerec-Inlays zu den S.

Sofortprothese , engl.: immediate denture; Immediatprothese

Softlaser , Schlagwortbezeichnung für Laserstrahlen geringer Energie und umstrittener "biostimulierender" Wirkung. Lasereinsatz in der ZHK

Sölder-Linien
engl.: Soelder's lines; konzentrisch um Mund- und Nasenöffnung verlaufende Begrenzungen von Sensibilitätsausfallzonen des Trigeminusnervs bei Hirnstammverletzungen der Trigeminuswurzel. Abb.

somatisch
körperlich, engl.: somatic;
1.) Begriff aus der Medizin, welcher dazu dient, körperliche (somatische) Erkrankungen von psychischen Erkrankungen oder funktionellen Beschwerden abzugrenzen.
2.) das willkürliche, animalische Nervensystem.

Somatogramm
Diagramm, auf welchem die körperliche Entwicklung eines Säuglings, Kleinkindes oder Jugendlichen im Bezug auf die Körpermaße (Länge, Gewicht, Kopfumfang) bis zum Abschluss des Wachstums dargestellt wird.

Sonde
Specillum
, engl.: explorer (spitze Sonde), sound, probe (stumpfe Sonde; s. Abb. u.); eines der zahnärztlichen Instrumente, welches neben dem Mundspiegel und der zahnärztlichen Pinzette bei keiner Behandlung/Untersuchung ("Sondierung") fehlen darf. Dieses - auch als "verlängerter feiner Finger" bezeichnete - Instrument ist in der Standardausführung von seinem Griff weg fast rechtwinklig abgebogen und mit einer feinen Spitze versehen; spez. S. für die Untersuchung von Zahnzwischenräumen sind zusätzlich noch korkenzieherartig gedreht (z.B. Kuhhornsonde). Die S. gilt auch heute noch als ein wichtiges Instrument in der Kariesdiagnostik. Da in diesem Bereich zunehmend neue Methoden entwickelt werden und bei unsachgemäßer Anwendung die Entwicklung kariöser Läsionen begünstigt werden kann, sollte die Sonde auf die Untersuchung des Dentins beschränkt bleiben bzw. nur als eines der diagnostisches Mittel bei der Eingangsuntersuchung (initiale Untersuchung) herangezogen werden.
Zur Untersuchung von Fistelgängen oder Zahnfleischtaschen können biegsame, nicht-spitze ("runde") S. aus Silberdraht (sog. Knopfsonde) bzw. spezielle Messsonden (z.B.: WHO-Sonde) benutzt werden.


Borodontic Sonde, Knopfsonde, Kuhhornsonde, Mundspiegel, PCP-Sonde, WHO-Sonde

Sondierungsblutung ,
SB, SoB, engl.: BOP; leichte Blutung aus der physiologischen Zahnfleischtasche ("Gingivalsulkus") bei vorsichtiger Berührung (für die Sondierung soll nur ein leichter Druck von 0.25N (25g) angewandt werden.) des Bodens mit einer stumpfen Sonde (z.B.: WHO-Sonde). Diese, nicht spontan, sondern erst nach 10-20 Sek. auftretende Blutung gilt als ein sicherer Hinweis auf eine beginnende Gingivitis.
BOP, Gingivablutungsindex, SBI


ausgeprägte Blutung auf Sondierung

Sonic Zahnbürste ; engl.: sonic-toothbrush; Oberbegriff für elektrische Zahnbürsten auf Schallbasis. elektrische Zahnbürste

Sonntagsbiss
Doppelbiss
, engl.: sunday bite; Schlagwortbezeichnung für das habituelle Einnehmen einer Unterkieferposition, um eine ästhetische Verbesserung zu erzielen. Meist handelt es sich dabei um eine Vorschubbewegung des Unterkiefers, um z.B. ein Vogelgesicht-Profil zu kompensieren.
Biss

sonoabrasive Systeme
Oberbegriff für Instrumentensysteme, welche auf Schall- bzw. Ultraschallbasis meist zur Kavitätenpräparation - vorwiegend der minimal-invasiven - eingesetzt werden. Als besonderer Vorteil gilt der Einsatz bei engen Platzverhältnissen zum Nachbarzahn (Approximalraum) hin, da mit den einseitig belegten Arbeitsflächen dieser Instrumente die Verletzungsgefahr der Nachbarzähne praktisch ausgeschlossen ist. Haupteinsatzgebiet ist die Präparation zur Behandlung einer approximalen Karies sowie der Hidden Caries.
Die schall- oder ultraschallaktivierten Präparationsinstrumente sind einseitig mit Diamantsplittern belegt und weisen auf der aktiven Seite eine Form auf, die später der Kavitätenform entspricht. Die Primärpräparation erfolgt immer mit herkömmlichen rotierenden Instrumenten, da der Kavitätenabtrag der s. S. gering ist.
Piezon Cavity Sytem der Fa. EMS
SONICflex-System mit Sonicsys der Fa. KaVo
Kavitätenpräparation, unterstützende Ultraschall-Systeme
Nichtchirurgische Ultraschallinstrumente in der Endodontie


www.kavo.com/De/
(© der Grafik)

Sonographie
"Ultraschalldiagnostik", Echographie, von "sonor" = "klingend, tönend", engl.: echography, sonography; röntgenstrahlenfreies bildgebendes Verfahren auf der Basis von Schallwellen (1-20 MHz). Die Erzeugung eines Ultraschallbildes beruht darauf, dass in den Körper eingestrahlter Ultraschall an verschiedenem Gewebe unterschiedlich stark reflektiert wird. Der Kopf des Ultraschallgeräts wirkt hier gleichzeitig als Schallsender und als Schallempfänger. Das bei der Untersuchung verwendete, nebenwirkungsfreie Gel leitet die Schallwellen von der Haut in den Schallkopf. Die von Organen oder Geweben reflektierten Wellen werden in elektrische Impulse verwandelt, aus denen mit computergesteuerten Verfahren ein Bild auf einem Monitor erzeugt wird. Diese Bilder vermitteln dem Arzt eine räumliche Vorstellung von Größe, Form und Struktur des untersuchten Bereichs. Mit der besonderen Farb-Duplex-Sonographie lassen sich zudem Blutfluss, Flussrichtung und -geschwindigkeit sowie die Beschaffenheit der Gefäßwände sichtbar machen. Bisher nur seltener Einsatz in der ZHK; mit Hilfe der S. können Diskusverlagerungen und intrakapsuläre Veränderungen im Kiefergelenk sicher diagnostiziert werden; die Interpretation der knöchernen Strukturen (z.B. condyläre Veränderungen) ist naturgemäß eingeschränkt. Weitere Einsatzgebiet sind die Darstellung der Nasennebenhöhlen, der Kaumuskulatur und des Mundbodens.
Unterschieden wird bei der S.:
A-Scan (engl.: linear scan): Ein eindimensionales Verfahren, das zur Diagnostik angewandt wird. Einsatz zur schnellen Tiefenlokalisierung
B-Scan (convex scan, sektor scan): Durch eine periodische Bewegung des Schallkopfes wird ein zweidimensionales Schnittbild des Körperinneren erzeugt. Einsatz in Bereichen, in denen nur sehr kleine Eintrittsfenster für den Ultraschall im Körper vorhanden sind.
Die Magnetfeldresonanztomographie gilt heute als Goldstandard in der Kiefergelenks-Diagnostik, wenn auch die S. (8 - 20 MHz) Vorteile bezüglich der Kosten, Verfügbarkeit und Anwendbarkeit bietet. Beide Verfahren arbeiten ohne Röntgenstrahlen; http://www.nzb.de/ (S.16 u. 19)

bildgebende Verfahren, Knochenszintigraphie, Magnetfeldresonanztomographie, Osteometer, Tomographie, Ultraschallverfahren, diagnostische
http://www.physik.nat.uni-erlangen.de/lehre/daten/Versuchsanleitungen/2.FS-V32-Ultraschall.pdf

Soor
Mehlmund
, Mundpilz, Candidiasis, Candidose, Candidamykose, Monoliasis, engl.: candida mycosis, trush; im gesamten Mund- und Lippenbereich vorkommende Pilzerkrankung, in der Hauptsache ausgelöst durch den Hefepilz Candida albicans. Die Infektion kann sich bis in Hals und Speiseröhre ausbreiten. Überwiegend Ausdruck einer geschwächten Immunabwehr, systemischen Störungen (z.B. Diabetes) oder Medikamentenfolge (Antibiotika, Corticosteroide, Zytostatika). Der Pilz gehört bei 30-50% der gesunden Menschen zur physiologischen Haut- und Schleimhautflora.
Zur Therapie (ausführlich Candida albicans) stehen Mundspülungen z.B. mit Hexetidin oder eine systemische Behandlung mit Azolen wie z.B. Fluconazol zur Verfügung; daneben spielt die sorgfältige Pflege von Zahnersatz eine wichtige Rolle.
Antimykotika, Candida albicans, Leukämie, Mundschleimhauterkrankung, Rhagaden, Zungenbelag




Haut- und Schleimhaut-Soormykose

Sorbit
Sorbitol
, Glucitol, griech.: Sorbum = Vogelbeere; ein C6-Zuckeralkohol (pflanzliches Hexit); sog. Zuckeraustauschstoff mit etwa der halben Süßkraft des normalen Rohrzuckers und abführender Wirkung Zuckeraustauschstoffe

Sozialgericht
Sozialgerichtsbarkeit
, SG, engl.: social jurisdiction; nach dem Sozialgerichtsgesetz (SGG) in D vorgeschriebene Einrichtung. Unterteilung in: Sozialgericht, Landessozialgericht und Bundessozialgericht, durch welche in Streitfällen über folgende Dinge entschieden wird:
Belange der Sozialversicherung (Renten-, Kranken-, Unfall- und Pflegeversicherung)
Feststellung von Behinderungen
Belange der Arbeitsförderung in Verbindung mit den sonstigen Aufgaben der Bundesagentur für Arbeit
Angelegenheiten der Sozialhilfe und des Asylbewerberleistungsrechts
Aufgaben, die besonders gesetzlich zugewiesen wurden
Gerichtskosten entstehen keine für Versicherte, Leistungsempfänger und behinderte Menschen oder deren Sonderrechtsnachfolger, soweit sie in dieser Eigenschaft am Verfahren beteiligt sind; die anderen Beteiligten (z.B. Versicherungsträger) müssen für jede Streitsache unabhängig vom Ausgang des Rechtstreits eine Pauschalgebühr entrichten. In den übrigen Verfahren (z.B. zwischen Arbeitgebern und Versicherungsträgern, Versicherungsträgern untereinander oder (Zahn-)Ärzten und Kassen(zahn)ärztlichen Vereinigungen) fallen Kosten nach dem Gerichtskostengesetz an.
Sozialgesetzbuch
http://www.bundessozialgericht.de/

Sozialgesetzbuch
SGB, engl.: social security code, social code of law; seit 1989 neu geschaffenes Regelwerk als Grundlage des Sozialrechts. Es soll zur Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit und sozialer Sicherheit die Sozialleistungen gestalten und u. a. dazu beitragen, ein menschenwürdiges Dasein zu sichern, die Familie zu schützen sowie besondere Belastungen des Lebens abzuwenden oder auszugleichen. Vorläufer des SGB war das auf Bismarck zurückgehende, 1911 staatlich verankerte Sozialversicherungsgesetz, mit der sog. Reichsversicherungsordnung (RVO). 
Von den bisher erschienen 14 Gesetzbüchern ist für den medizinischen Bereich das SGB V (Gesetzliche Krankenversicherung) von zentraler Bedeutung.
§1 sagt aus: "Die Krankenversicherung als Solidargemeinschaft hat die Aufgabe, die Gesundheit der Versicherten zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren Gesundheitszustand zu bessern. Die Versicherten sind für ihre Gesundheit mitverantwortlich; sie sollen durch eine gesundheitsbewusste Lebensführung, durch frühzeitige Beteiligung an gesundheitlichen Vorsorgemaßnahmen sowie durch aktive Mitwirkung an Krankenbehandlung und Rehabilitation dazu beitragen, den Eintritt von Krankheit und Behinderung zu vermeiden oder ihre Folgen zu überwinden. Die Krankenkassen haben den Versicherten dabei durch Aufklärung, Beratung und Leistungen zu helfen und auf gesunde Lebensverhältnisse hinzuwirken."

Seit 1. Januar 2004 müssen die niedergelassenen Ärzte Patientendaten mit Diagnosen und ärztlichen Leistungen an die Krankenkassen melden. Grundlage dafür ist der mit dem GMG geänderte Paragraf 295 Absatz 2 SGB V, demzufolge die bisherige anonymisierte fallbezogene Abrechnung in eine versichertenbezogene geändert wurde - Krankenkassen können nun bei ihren Versicherten die entsprechenden Diagnosen und ärztlichen Leistungen direkt zuordnen.
andersartiger Zahnersatz, Behandlungspflicht, Beitragsbemessungsgrenze, BEMA, Bundesausschuss Zahnärzte und Krankenkassen, Bürgerversicherung, EDV in der Zahnarztpraxis, Einzelleistungsvergütung, Ermächtigung, Fallpauschale, Gemeinsamer Bundesausschuss, Gesamtvergütung, Gesetzliche Krankenversicherung, Gesundheitsfond, gleichartiger Zahnersatz, Kopfpauschale, Gesundheitsreform (ab 2004), Härtefall, NUB-Richtlinien, Regelversorgung, Sachverständigenrat, Schiedsverfahren, Selbstverwaltung, Sicherstellungsauftrag, Sozialgericht, Sozialversicherung, Wirtschaftlichkeitsgebot
Deutsche Gesundheitspolitik seit 1975 - Reformen über Reformen; ©: Niedersächsisches Zahnärzteblatt 12/2010
 Zahnwissen-Festzuschüsse ab 2005
http://www.gesetze-im-internet.de/ ; Kurzfassung für zahnärztliche Belange (© KZBV)

Sozialversicherung
engl.: social insurance; auf Bismarck zurückgehende Institutionen mit den damaligen Schwerpunkten Krankenversicherung (1883), Unfallversicherung (1884) und Invaliden- und Alterssicherung (1889). In der weit über 100 Jahre alten Geschichte wurden weitere Risiken einbezogen: Arbeitslosenversicherung (1927, als Nachfolge der Erwerbslosenfürsorge) und Pflegeversicherung (1995 als "5. Säule" der S.).
Gesetzliche Krankenversicherung, Gesundheitsfond, Knappschaft, Sozialgesetzbuch

Sozietät
engl.: co-partnership; besonders bei Angehörigen freier Berufe (Ärzte, Rechtsanwälte usw.) häufige, zur gemeinschaftlichen Berufsausübung gebildete Gesellschaft des bürgerlichen Rechtes (GbR).
Berufsausübungsgemeinschaft, Gemeinschaftspraxis, Partnerschaftsgesellschaftsgesetz

Spaltbrücke
engl.: etwa: sanitary pontic, slit bridge; Bezeichnung für das Brückenzwischenglied einer Schwebebrücke, welches einen spaltförmigen Abstand (~ 1mm) zur Kieferschleimhaut hat. Gegenteil: Raumbrücke (Abstand ~ 3mm). S. können nur schlecht gereinigt werden, sind also mundhygienisch bedenklich und führen gern zu Schleimhautentzündungen.

Spaltlappen , engl: split flap; Mukoperiostlappen ; der_doppelte_spaltlappen

Spaltung
engl.: (abscess) splitting; kieferchirurgische Eröffnung eines mit Eiter gefüllten Raumes (Abszess, Loge, in einer durch Entzündung entstandenen Gewebe-Höhle) mit dem Zweck des Eiterabflusses und/oder Zufuhr von Luftsauerstoff.
Dabei kommen folgende Techniken zum Einsatz:
kleiner Abszess (Durchmesser bis ca. 1 cm): Stichinzision mit Skalpell
größerer Abszess: Über dem Gebiet mit maximaler Fluktuation wird kreuzförmig eingeschnitten (evtl. werden die zentralen Spitzen gekappt), so dass im Zentrum eine Öffnung entsteht, welche mit einer Drainage versehen wird.
Abszess, Inzision

Spange ; Trivialbez. für eine herausnehmbare kieferorthopädische Apparatur

Spanngummi , unübliche Bezeichnung für Kofferdam

Spannungsreihe
von Metallen
, engl.: galvanic series of metals; abgeleitet aus dem unterschiedlichen Verhalten der verschiedenen Metalle im Elektrolyten: Taucht man zwei verschiedene Metalle in einen Elektrolyten (i.d.R. eine wässrige Lösung von Salzen, Säuren oder Basen), so entsteht dadurch eine Stromquelle mit einer charakteristischen Spannung. Daraus leitet sich die relative Stellung der einzelnen Metalle zueinander ab. Bei der elektrochemischen Spannungsreihe wird die Spannung zwischen einem Metall und einer Standard-Wasserstoffelektrode angegeben. Daraus folgt: Je höher das Potenzial der Elektrode, desto edler ist der metallische Werkstoff, desto höher ist seine Korrosionsbeständigkeit.

In der Praxis ist das Verhalten aber u.U. anders; Titan ist ein typisches Beispiel dafür. Obwohl es in der Spannungsreihe sehr weit unten liegt, gilt es als sehr korrosionsbeständig. Dies liegt daran, dass sich an der Luft rasch eine Oxidschicht bildet, welche das Metall sehr unempfindlich gegenüber weiteren Reaktionen macht.

Galvanismus, Legierung

Gold (Au) Au+ +1,69 V
Platin (Pt) Pt2+ +1,12 V
Silber (Ag) Ag+ +0,80 V
Eisen (Fe) Fe3+ +0,77 V
Kupfer (Cu) Cu+ +0,52 V
Wasserstoff (H2) 2H+ 0 V
Nickel (Ni) Ni2+ -0,23 V
Cadmium (Cd) Cd2+ -0,40 V
Eisen (Fe) Fe2+ -0,45 V
Zink (Zn) Zn2+ -0,76 V
Chrom (Cr) Cr2+ -0,91 V
Niob (Nb) Nb3+ -1,099 V
Vanadium (V) V2+ -1,175 V
Mangan (Mn) Mn2+ -1,19 V
Zinn (Sn) Sn2+ -1,38 V
Aluminium (Al) Al3+ -1,66 V
Titan (Ti) Ti2+ -1,77 V
Magnesium (Mg) Mg2+ -2,37 V
Natrium (Na) Na+ -2,71 V
Calcium (Ca) Ca2+ -2,82 V
Kalium (K) K+ -2,92 V
Lithium (Li) Li+ -3,04 V
 

Spargold
Sparlegierung, engl.: economy alloy; Schlagwort für eine nicht genauer definierte Edelmetalllegierung, bei welcher der Goldanteil aus Kostengründen in der Hauptsache durch Silber und Kupfer ersetzt wird; dabei kann der Goldanteil um weit unter 50% sinken. Grobe Unterteilung in goldreduzierte und goldarme Legierung.
Edelmetalle, Legierung

Spatelübungen
Spateldehnungen
, engl.: spatula exercises; Hilfstherapie bei einer Kieferklemme, um eine muskuläre Dehnung der "verkrampften" Gewebestrukturen zu erreichen. Zwischen die Zahnreihen eingelegte Holzspatel ("Beißspatel") werden in ihrer Anzahl durch vorsichtiges Dazwischenschieben weiterer Spatel in ihrer Anzahl erhöht und bewirken so eine Vergrößerung der Mundöffnung.
Einsatz ebenfalls in der Kieferorthopädie bei einem frontalen Kreuzbiss, indem ein Spatel hinter die gaumenwärts stehenden oberen Schneidezähne geführt und anschließend zusammengebissen wird.
Helkimo-Index, Kieferklemme

Spätimplantat , (engl.: delayed implant), Sofortimplantation

SPECT
engl. Abk. von single photon emission computer tomography; nuklearmedizinisches diagnostisches Verfahren, welches die Möglichkeit besitzt, im intakten menschlichen Organismus ablaufende Stoffwechselvorgänge von außen dreidimensional sicht- und messbar zu machen. So kann z.B. mittels SPECT und radioaktiv markiertem Diphosphonat präzise und effektiv das Wachstumsmuster des Knochens bestimmt werden (3D-Rekonstruktion und Schichtdarstellung der anatomischen Strukturen).
bildgebende Verfahren, Positronen-Emissions-Tomographie, Tomographie

Speed, Speed-Klassen ; Filmempfindlichkeit

Spee Kurve
Speesche Kurve, (nach Ferdinand Spee, Anatom, 1855-1937; 1890 in die ZHK eingeführt), (sagittale) Okklusionskurve, Kompensationskurve, engl.: Spee's curve, sphere of Spee; bogenförmiger Verlauf der Okklusionsebene im eugnathen Gebiss, welche im Idealfall im virtuellen Verlauf die Vorderfläche des Kiefergelenksköpfchens tangieren soll; der Mittelpunkt dieser Kurve (Radius zwischen 6,5 u. 7 cm, Milchgebiss ca. 4,5 cm) liegt in der horizontalen transorbitalen Ebene, genau hinter der Crista lacrimalis. Die Kauflächen der Molaren sind danach entlang einer Kurve mit geringerer Konvexität als der Oberkieferzahnbogen und größerer Konkavität als der Unterkieferzahnbogen ausgerichtet.
Dieses Prinzip wird bei der Anfertigung von Vollprothesen angewandt: Bei einer Vorschubbewegung befinden sich Kiefergelenksköpfchen und die Okklusionsebene auf der gleichen Kreisbahn, was zur Folge hat, dass die Seitenzähne im ständigen Kontakt bleiben und somit eine Lagestabilisierung des Zahnersatzes bewirkt wird.
Monson entwickelte die sog. Kalottentheorie (Monson Kurve, sphere of Monson, (späte 1890ziger Jahre), indem er die Prinzipien der Sp. K. mit denen der buccolingualen Verwindungskurve (Wilson Kurve) kombinierte und annahm, dass die Kauflächen der Seitenzähne auf einer Kugelfläche liegen und die Zahnachsen im Ober- und Unterkiefer im Mittelpunkt dieser Kugel (~ 12 cm Radius) zusammentreffen. Auf dieser Grundlage konstruierte er den Monson-Artikulator ("The Monson Mandibulo-Maxillary Instrument", 1923 patentiert) und stellte darin die künstlichen Backenzähne mit Abrasionskauflächen in Kopfbissstellung entsprechend auf. Er nahm an, so die ideale Kompensationskurve mit einer balancierten Okklusion gefunden zu haben.
Kieferorthopäden bestreiten im allgemeinen die Notwendigkeit einer Sp. K. (siehe unten stehenden Link)
Okklusion, Kalottenartikulation, kaustabile Zone, Kompensationskurve, Vollprothese, Wilson Kurve

 

 



Spee-Kurve





Wilson-Kurve

Speichel
Saliva, ordinär: Spucke, engl.: saliva, spittle; Absonderung der
Speicheldrüsen; besteht zu ~ 99,5% aus Wasser, mit einem von der Menge (Fließrate) abhängigen durchschnittlichen pH-Wert von 6,7 (Schwankung zwischen 6,2 und 7,6). Nach Hochrechnungen werden im Laufe eines Lebens etwa 25.000 Liter davon produziert.
Als S. bezeichnet man häufig auch den Inhalt der gesamten
Mundflüssigkeit. Neben den Sekreten der großen und kleinen Speicheldrüsen gehören noch dazu:
» zahlreiche Mikroorganismen
» abgestoßene Mundschleimhautzellen
» Nahrungsmittelreste
» Flüssigkeit aus den Zahnfleischtaschen (
Sulkusflüssigkeit)
In einem Milliliter Speichel befinden sich etwa 100 Millionen
Bakterien
.



Übersicht: Bestandteile
des Speichels und deren Funktion

Die wichtigsten Speichelfunktionen sind:

Amylase, Atropin, Biomarker, Fluoride, Halitosis, Insalivation, Kauakt, Meth-Mouth, Mundflüssigkeit, Psychosomatik, Ptyalismus, Remineralisation, Rhodan, Saccharase, Schleim, Sialographie, Sjögren-Syndrom, Speichelersatzmittel, Speichelmenge, Speichelstein, stomatognathes System, Xerostomie
Zusammensetzung und Funktion eines oft unterschätzten Helfers

Speicheldrüsen
Glandulae salivales, engl.: salivary glands; in der Mundschleimhaut befinden sich viele kleine, unpaarige, verstreut liegende Speicheldrüsen (auf der Schleimhaut von Wange, Lippe, Gaumen und Zunge), der Hauptspeichel entstammt aber den 3 (paarigen) großen Drüsen (siehe Abb.): Ohrspeicheldrüse (~ 30% der Menge; lat.: Glandula parotis), Unterkieferdrüse (lat.: Glandula submandibularis) und Unterzungendrüse (lat.: Glandula sublingualis). Diese "großen Speicheldrüsen" liegen zwar außerhalb der Mundhöhle, sind aber durch ihre Speicheldrüsenausführungsgänge ("Speichelgänge") mit dieser in offener Verbindung. In diesen Gängen muss ein ständiger Speichelfluss vorhanden sein, da sonst Keime über das Gangsystem in die Drüsen wandern und zu Entzündungen (Sialoadenitis) führen können.
Die Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis) - sie besteht aus einem oberflächlichen und einem in der Tiefe liegenden Drüsenanteil - mündet gegenüber den ersten und zweiten Oberkieferbackenzähnen auf der Papilla salivaris in die Mundhöhle. Sie ist eine ausschließlich seröse Drüse.
Die  Unterkieferdrüse (Glandula submandibularis) liegt am hinteren Rand eines Mundbodenmuskels (M. mylohyoideus) und mündet auf der Caruncula sublingualis in die Mundhöhle.
Die Unterzungendrüse (Glandula sublingualis) besteht aus drei Drüsengruppen (hintere seröse, mittlere muköse und vordere gemischte Drüsen) befindet sich in der Plica sublingualis des Mundbodens.
Man unterscheidet von der Qualität des Speichels her grob zwei verschiedene Formen: wässriger oder seröser Speichel (Sekretion nach Reiz über eine sympathische Innervation) und schleimiger oder muköser Speichel (Sekretion nach Reiz über eine parasympathische Innervation). So produzieren die großen Speicheldrüsen des Unterkiefers ein gemischtes Sekret (Unterkieferdrüse: mehr seröser, Unterzungendrüse mehr muköser Anteil), während die Ohrspeicheldrüse wässrigen und die kleinen Speicheldrüsen des Gaumens mukösen S. produzieren. Die kleinen Zungen-Speicheldrüsen sondern am Zungengrund rein serösen S. ab, um damit aus den dort befindlichen Geschmacksknospen entsprechende Geschmacksstoffe auszuspülen. Davor befindet sich ein Gebiet mit rein schleimigen Zungen-Speicheldrüsen und an der Unterseite der Zungenspitze wird durch die vordere Zungenspeicheldrüse (Glandula lingualis anterior) ein gemischtes Sekret produziert. Die Qualität unterliegt tageszeitlichen Schwankungen, verändert sich mit der Art und Dauer der Nahrungsaufnahme oder Anregung (Stimulation) und wird durch Faktoren wie Stress oder Medikamente erheblich beeinflusst.
Adenolymphom, Adenom, Carmalt Drüse, Sialographie, Speichel, Speicheldrüsentumoren, Speichelersatzmittel, Speichelmenge, Xerostomie
Zusammensetzung und Funktion eines oft unterschätzten Helfers
Speicheldrüsen und deren Erkrankungen

 



Hauptspeicheldrüsen
des Kopfes



Speicheldrüsen
der Mundhöhle



Übersicht: Bestandteile
des Speichels und deren Funktion

Speicheldrüsentumoren
engl.: salivary gland tumors; sowohl gutartige (benigne, Adenome, etwa 75%) wie auch bösartige (maligne) Geschwulste unterschiedlicher Struktur mit einem Hauptschwerpunkt in der Ohrspeicheldrüse (Parotis = 80%, Submandibularis = 10%). Als häufigster S. gilt das gutartige pleomorphe Adenom ("Speicheldrüsenmischtumor"), welches fest abgegrenzt die Parotis befällt, mit einer Bevorzugung von Frauen ab der 5. Dekade.
Beim Warthin-Tumor , welcher Männer in der 7.-8. Dekade überwiegend befällt, handelt es sich ebenfalls um ein abgekapseltes Geschehen hauptsächlich der Parotis aus onkozytär transformierte Epithelien; ein Nikotinzusammenhang wird vermutet.
Adenom
Gaumenschwellung durch pleomorphes Adenom (Speicheldrüsenmischtumor); zm, 2014
Speicheldrüsen und deren Erkrankungen

Speicheldrüsenzyste ; Sialozele

Speichelersatzmittel
Speichelersatz, engl.: saliva substitute; seit 1972 auf dem Markt befindliche Präparate, zunächst auf der Basis von Carboxymethylcellulose (CMC) mit Sorbitolzusatz zur Erhöhung der Oberflächenaktivität. Heute werden allgemein im bezahnten Kiefer muzinhaltige Ersatzstoffe favorisiert, da sie der Schutzwirkung durch eine gute Benetzungsfähigkeit der Oberfläche (Filmbildung sowohl auf hydrophoben wie auch hydrophilen Oberflächen) dem natürlichen Speichels am nächsten kommen. Wegen einer erhöhten Kariesanfälligkeit durch Speichelmangel wird der Zusatz von Fluoriden empfohlen.
Untersuchungen - besonders kontrollierte Langzeitstudien - sind nur wenige in der Literatur vorhanden. Hinzu kommt das manche Patienten synthetische S. ablehnen und auf Wasser zurückgreifen.
Nachfolgend ausgewählte Ersatzmittel. Mit aufgeführt ist normales Leinsamenöl, welches ebenfalls in Untersuchungen gute Werte zeigt:

Handelsname CaCl2
(mg/l)
K2HPO4
(mg/l)
KH2PO4
(mg/l)
Fluorid
(mg/l)
Basis pH
Artisial 166 802 326 - Na-CMC 6,7
VA-Oralube 166 802 326 2 Na-CMC 7,0
Luborant 166 803 366 4,3 Na-CMC 6,9; spät. 6,0
Glandosane 148 348 - - Na-CMC 5,1
biotène - - - - CEC HEC 5,2
Oralbalance - - - - HEC Gel -
Saliva medac - - - - Muzin 5,4
Saliva Orthana 150 350 - 4,2 Muzin 6,7
Oralube 60 665 - 2,3 Sorbitol 6,9
Salinum - ja - - Leinsamenöl -

Tabelle nach Meyer-Lückl / Kielbassa in zm 93/2003. Die Präparate biotne und Oralbalance werden seit 2001in ähnlicher Zusammensetzung unter dem Handelsnamen "aldiamed Mundspülung" und "aldiamed Mundgel" auf dem Markt angeboten.
CMC = Carboxymethylcellulose; CEC = Carboxyethylcellulose; HEC = Hydroxyethylcellulose

Je nach Zusammensetzung können S. ein nicht zu vernachlässigendes Demineralisierungs-Potential auf Schmelz, Dentin oder Hydroxylapatit haben. Der natürliche menschl. Speichel hat einen annähernd neutralen pH-Wert und stellt eine calcium- und phosphatübersättigte Lösung dar. Hierdurch ist er in der Lage, auftretende Entkalkungsvorgänge relativ rasch durch Remineralisation auf natürliche Weise zu beheben.
Nicht so eines der weit verbreitesten Mittel Glandosan: niedriger pH-Wert und wenig Mineralien können den Zahnhartsubstanz arg zusetzen; biotène enthält keine relevanten Mineralien und ist zudem noch sauer: Zahnschäden sind vorprogrammiert. Sehr gute Werte zeigen dagegen die obersten drei Präparate in der Tabelle.
Erfolge zeigt ebenfalls ein Mundspray, bestehend aus fixen Konzentrationen des Cholinesteraseinhibitors Physiostigmin
unabhängig von allen medikamentösen Therapien muss eine strenge Mundhygiene mit fluoridhaltigen Mitteln und antimikrobiellen Wirkstoffen erfolgen, um Karies und Infektionen zu vermeiden.
Kariesanfälligkeit, Ptyalismus, SLPI, Strahlentherapie, Xerostomie
Dissertation (2005)

Speichelmenge
Speichelfließrate, Speichelfluss, engl.: quantity of saliva; individuell unterschiedliche Größe, welche von vielen Faktoren (Körperzustand, Alter, Geschlecht) abhängig ist, hauptsächlich aber durch das Kauen (= natürliche Stimulation) oder eine künstliche Stimulation beeinflusst bzw. durch krankhafte Körperprozesse vermindert wird. Die Literaturangaben über die Menge schwanken erheblich:

Bestimmung der Speichelmenge (Sialometrie) nach Siedek, Zengel, Berghaus in zahnärztliche Mitteilungen , zm 98, Nr. 18, 16.09.2008 (2517):
"Der Patient soll am Morgen reichlich trinken. Die Sammelperiode erfolgt wegen der zirkadianen Sekretionsschwankung zwischen neun und elf Uhr in ruhiger Atmosphäre bei künstlichem Licht und Raumtemperatur von 20 bis 22 Grad. Zähne und Zahnersatz sind ein bis zwei Stunden vorher zu reinigen. Die Stimulation kann durch Kauen eines Kaugummis erfolgen. 30 Sekunden nach Vorkauen und Schlucken beginnt die Sammelperiode. In vornübergebeugter Haltung, mit auf die Oberschenkel abgestützten Unterarmen sammelt der Patient nach einem Schluckakt den Speichel über zwei Minuten im Mundboden, um ihn dann komplett in den Trichter zu spucken. Während der Sammelperiode sollen Lippen, Zunge, Wangen nicht bewegt werden. Die Speichelprobe wird gelagert, bis sich der Schaum gelöst hat. Dann wird die klare Flüssigkeit in einen Messzylinder mit 0,1-ml-Graduierung gegossen."
Ernährungsempfehlungen, Kariesanfälligkeit, Kaugummi, Mundflüssigkeit, Oligosialie, Ptyalismus, Sjögren-Syndrom, Speichel, Strahlenkaries, Speichelersatzmittel, Xerostomie
Zusammensetzung und Funktion eines oft unterschätzten Helfers

Speichelsauger
Speichelzieher, engl.: saliva ejector, aspirator; unentbehrliches Hilfsmittel bei vielen zahnärztlichen Behandlungen zum Aufrechterhalten eines trockenen Behandlungsfeldes. Die kleinen Röhrchen waren früher meist aus Glas und an einen begleitenden Wasserstrahl ("Wasserstrahlpumpe") angeschlossen, heute durch biegsame Kunststoffröhrchen ersetzt, welche an die Absauganlage auf der Helferinnenseite der Behandlungseinheit angeschlossen werden.
Trockenlegen

Speichelstein
Ptyalolith, Sialolith, engl.: sialolith; in den Ausführungsgängen der großen Speicheldrüsen (Parotis, Submandibularis, Sublingualis) befindliche Ablagerung; hauptsächlich bestehend aus Calciumphosphat u. Calciumcarbonat. Bei entsprechender Größe können diese Steine zu einem Speichelstau mit Entzündungen (Sialoadenitis, Sialolithiasis) führen. Dadurch, dass es bei der Nahrungsaufnahme reflektorisch zu einer Speichelproduktion kommt, treten erheblichen Schmerzen und Schwellungen auf gerade während dieser Zeit auf.
Als Ursachen bei der Entstehung von S. - bevorzugt sind Männer im dritten und vierten Lebensjahrzehnt - werden Sekretionsstörungen der Speicheldrüsen diskutiert, besonders dann, wenn das Sekret wegen eines hohen Muzingehalts besonders zähflüssig ist. Aus Kalzium und Muzin entwickeln sich zunächst Mikrolithen und schließlich große Steine aus Kalziumphosphat oder Kalziumkarbonat. Zu 80 Prozent ist die Glandula submandibularis betroffen, zu 20 Prozent die Glandula parotis. Statistisch gesehen treten Speichelsteine bei rund 1.2% der Bevölkerung auf.
Therapie:
Kleine Steine können durch einen regen Speichelfluss ausgeschwemmt werden, größere Steine bedürfen der chirurgischen Entfernung; bei häufigen Rezidiven Entfernung der betroffenen Speicheldrüse. In jüngster Zeit wird eine "Stoßwellenlithotripsie" (ESWL) im Sinne einer Lithotripsie ("Steinzertrümmerung") erprobt, welche ambulant ohne örtliche Betäubung durchgeführt werden kann.
Okklusalaufnahme

 

 

 

©: Dr. Drüke, www.implantatzentrum.de

Speicheltest
Speicheldiagnostik, Speicheluntersuchung, engl.: saliva analysis; Bestimmung von Speichelproduktion (Fließgeschwindigkeit), Keimzahl und Pufferkapazität des Speichels u.a. für eine (unsichere) Vorhersage der Kariesaktivität bzw. des Kariesrisikos. So kann z.B. die Anzahl der St. mutans-Bakterien ein Hinweis auf eine Kariesgefährdung ebenso sein, wie die Anzahl der Laktobazillen, welche auf falsche Ernährungsgewohnheiten schließen lassen; allerdings sind hier individuelle Faktoren, wie das Immunsystem und der generelle Zustand der Mundhöhle (unversorgte Kariesfolgen, schlechte Füllungen und Kronen), verbunden mit Mundhygiene und Essgewohnheiten schwer einzuschätzen. Zusätzlich gilt: Die Stoffwechselaktivität, und nicht die Anzahl der Kariesbakterien wird zum Maß für die Einschätzung des Kariespotenzials angesehen.
In der Literatur gelten Werte von über einer Millionen/ml an St. mutans-Bakterien und über 100.000/ml an Laktobazillen als Anhaltspunkt für ein erhöhtes Kariesrisiko.
Die Laktatbestimmung mit Hilfe eines indikatorgetränkten Watteträgers und die daraus abgeleitete Einteilung in drei Risikogruppen (Cario L-Pop) ist vielleicht ein neuer Ansatz, da hier nicht nur die Säureproduktion der üblichen Verdächtigen S. mutans und Lactobacillus bestimmt wird. Für diese Leitkeime und zwei Actinomyces-Arten besteht eine enge Korrelation zwischen koloniebildenden Einheiten (CFU) und Laktatbildung. Als semiquantitative Methode ist der neue Test jedoch in Bezug auf seine statistische Aussagekraft nicht gut bewertbar und es liegen daher auch keine Werte für Sensitivität, Spezifität oder Predictive Value vor.
Weiter sollen S. Rückschlüsse auf die Quecksilberbelastung des Organismus aufgrund von vorhandenen Amalgamfüllungen liefern. Derartige "Tests" gelten heute als obsolet. G. Schmalz schreibt dazu (in "Gesundheitsrisiken bei Füllungswerkstoffen", Quintessenz 2006; 57(5):555-565):
"Voraussetzung für eine systemische Wirkung ist die Resorption. Ca. 25 % des durch Amalgamfüllungen freiwerdenden Quecksilberdampfes werden inhaliert, davon wiederum ca. 80 % in der Lunge resorbiert und zum größten Teil innerhalb von Minuten in die ionische Form (Hg++) oxidiert. Die verbleibenden 75 % werden in Speichel gelöst und verschluckt, aber in dieser Form (Hg0) im Magen-Darm-Trakt kaum aufgenommen. Ionisches Quecksilber gelangt mit dem Speichel ebenfalls in den Magen-Darm-Trakt und wird zu 10 % resorbiert. Quecksilber aus Amalgampartikeln nimmt der Körper - wenn überhaupt - nur in äußerst geringem Umfang auf. Bei der Messung der Quecksilberkonzentration im Speichel wird die Oxydationsstufe des Quecksilbers nicht ermittelt, und es können auch kleinste Amalgampartikel zu stark erhöhten Quecksilberkonzentrationen im Speichel führen. Diese Form wird jedoch nicht resorbiert, weshalb die Quecksilberbestimmung im Speichel obsolet ist. Die WHO-Grenzwerte der tolerierbaren Quecksilberaufnahme sowie der Konzentrationen in Blut und Urin werden nicht annähernd erreicht.  ... . Dabei kam man zu dem Ergebnis, dass das Risiko für die Bevölkerung - auch im Vergleich zu den anderen heute üblichen und weniger gut untersuchten Füllungswerkstoffen - gering und damit vertretbar ist." 
Behandlung auf Verlangen, Ernährungsempfehlungen, Fosdick Test, Kariesaktivität, Kariesbakterien, Kariesdiagnostik, Kariesrisiko, Kaugummi-Test, Quecksilberallergie, Quecksilberfreisetzung, Snyder-Test,
http://www.dgzmk.de/stlgnahmen/ 
http://d-nb.info/98664367X/34 (Testverfahren, Dissertation)

Speisesalzfluoridierung , (Koch-)Salzfluoridierung, engl.: (common-)salt fluoridation; Fluoride, Salzfluoridierung

Sperrbiss
"sperrender Schneidezahnüberbiss"; wenig gebräuchliche Bez. für einen deckbissartigen Zusammenbiss im Milchgebiss, verursacht durch ein "Aneinandervorbeiwachsen" der in der Achsrichtung zu steil stehenden Schneidezähne bei zu geringer Bisshöhe. 

Spezialist ; Generalist

Spezifität
engl.: specificity; Prozentsatz von negativen Ergebnissen z.B. "kein Befund", die man für nicht von dieser Krankheit/Störung Betroffenen erhält. So gibt die S. einer Untersuchung an, wie gut es mit dem jeweiligen Verfahren möglich ist, zwischen zwei Krankheiten (oder krank vs. gesund) zu unterscheiden. Beispielsweise sagt eine S. von 99.99 % aus, dass eine falsche Diagnose nur in 0,01 % der Fälle vorkommt.
Sensitivität, Validität

Spielpassung , engl.: clearance fit; Begriff aus der Prothetik; Passung

Spinaebene
Vermessungsebene in der Kephalometrie: sie verbindet durch die sog. Spinagerade die Spina nasalis anterior (Spa; anteriorster Punkt der knöchernen Spina nasalis in der Median-Sagittal-Ebene, vordere Begrenzung des Oberkiefers) mit der Spina nasalis posterior (Spp; virtueller röntgenologischer Punkt am Schnittpunkt der vorderen Wand der Fossa pterygopalatina mit dem Nasenboden, hintere Begrenzung des Oberkiefers); sie liegt als Ebene senkrecht zur Raphe-Median-Ebene.

Spinne
Klammerbrücke, engl.: unilateral removable (dental) prothesis, "spider", "clasp bridge"; Trivialbezeichnung für eine kleine, nur einseitig und für wenige Zähne bestimmte Teilprothese (kleinste Art einer Schaltprothese). Diese in D selten anzutreffende Konstruktion gilt als obsolet, da die große Gefahr eines Verschluckens oder einer Verlegung der Atemwege (Aspiration) bei Fehlfunktion oder lockerem Sitz besteht.
Fremdkörperaspiration, Monoreduktor



Spira-Syndrom ; Fluorose

Splitcast-Sockel
Trennsockel, (nach G. Geiger); labortechnisches Verbindungselement zwischen Artikulator und Präzisionsmodell, auf welchem das Arbeitsmodell präzise befestigt, aber auch leicht wieder gelöst werden kann. Heute meist gebräuchlich als Magnet-Splitcast-Systeme
Sockeln

Spongiosa , substantia spongiosa, engl.: spongy bone; "schwammige", mit dünnen Bälkchen und Knochenmark versehene Knochenmasse im Knocheninneren Kompakta , Kortikalis, Ostitis

Spongosiatransplantat ; Knochenersatzmaterialien

Spontanfraktur
engl.: pathologic fracture; bei normaler funktioneller Knochenbelastung auftretender Knochenbruch. Tritt auf, wenn der Knochen durch Erkrankung (Karzinom, Osteomyelitis, Zyste) oder Atrophie (Alter) stark geschwächt ist. Bevorzugtes Frakturgebiet sind die Unterkieferwinkel. Gelegentlich auch iatrogen bei einer Weisheitszahnentfernung vorkommend.
Arthrose, Kieferbruch, Tuberfraktur, Unterkieferbruch


S. des re. UK bei fortgeschr. Tumor

Spontanschmerz
engl.: pathologic pain; spontan ("aus heiterem Himmel") auftretender (Zahn-)Schmerz. Meist sicheres Zeichen für eine fortgeschrittene Pulpitis, Schmerz, Zahnschmerz

Spray
Spraykühlung, Wasserkühlung, wörtlich: "Sprühregen", engl.: spray coolant, (cooling) spray; Schlagwortbezeichnung für die Kühlung mit einem Gemisch aus Luft und Wasser im Rahmen zahnärztlicher Behandlungsmaßnahmen (z.B. Präparationen), um die dabei auftretende Hitzentwicklung zu kompensieren; dabei ist ein Kühlmittelfluss (Spray) von 50 ml/min zur Schonung der Pulpa bei rotierenden Instrumenten größer 10.000 U/min als Minimum anzusehen.
Ebenso Bezeichnung für die Mehrfunktionsspritze, mit deren S. das Arbeitsfeld gesäubert wird.
Es ist wissenschaftlich belegt, dass im S. (Aerosol) Streptococcus, Actinomyces, Lactobacillus sowie Staphylococcus Bakterien vorhanden sind. Diese an sich nicht-pathogenen Keime können für Patienten mit geschwächtem Immunsystem ein Risiko darstellen. Weiter können Aerosole und Spritzer bei medizinischem Personal Augen-, Haut- und Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen sowie Erkrankungen der Atemwege verursachen.
Absaugen, Bohren, Irrigationswasser

Spreader
"Spreizer"; im Rahmen der lateralen Kondensationstechnik (eine besondere Technik bei der Wurzelkanalfüllung)  angewandte "Spreizinstrumente" zum "Platz schaffen" und damit einem Nachschieben weiterer Guttapercha-Stifte. Unterschieden werden Fingerspreader (s. Abb.; kurzer Griff) von Handspreadern (langer Griff). Die Arbeitsenden sind jeweils glatt und in konischer Form mit versch. Größen nach ISO-Norm.
Wurzelkanalbehandlung

Sprechabstand
engl.: speaking distance"; verschieden großer Abstand der Schneidekanten der oberen und unteren mittleren Schneidezähne bei der Lautbildung. Während er beim Laut "S" nur 1-2 mm beträgt, erweitert er sich bei einem "O" z.B. auf ~ 6mm. Der S. hat Bedeutung bei der Ermittlung der Bisshöhe von Vollprothesen
Interokklusalabstand

Sprechstundenbedarf
engl.: consultation overhead; Arzneimittel und medizinische Materialien, die unmittelbar in der (zahn-)ärztlichen Sprechstunde durch den Patienten verbraucht werden und nicht bereits in der Gebührenbeschreibung ( BEMA, GOZ) enthalten sind. Bei den versch. Kostenträgern z.T. mit unterschiedlichen Regelungen über die Möglichkeit der Verordnung (siehe z.B.: http://www.aok-gesundheitspartner.de/); unterliegen dann der Wirtschaftlichkeitsprüfung.
http://www.dr-menges.de/fk1722.html

Spreng Schiene, Spreng Klammer ; fortlaufende Klammer

Spritze , Injektionsspritze, engl.: syringe; Injektion, Lokalanästhesie, Luer

Spritzenabszess
engl.: syringe abscess; in der ZHK äußerst selten auftretende Komplikation im Zusammenhang mit einer Lokalanästhesie; dabei als Folge Ausbildung eines subkutanen oder intramuskulären Abszesses. I.d.R. Folge eines durch die Injektion bedingten Blutergusses, welcher durch eingeschleppte Bakterien infiziert wird. Während sich S. nach Infiltrationsanästhesien relativ rasch abbauen, kann es nach Leitungsanästhesie (Mandibularanästhesie) zu einer länger anhaltenden Kieferklemme kommen.

Sprühdesinfektion
Oberflächen-Sprühdesinfektion, engl.: spray disinfection; wenig effektives Verfahren zur Vernichtung von mikrobiellen Lebewesen auf kontaminierten Oberflächen mittels Versprühung eines desinfizierenden Sprays. Zusätzlich besteht im Vergleich zur effektiveren Wischdesinfektion noch die Gefahr eines Einatmens des Spraynebels durch die Anwendung. Gebrauch bei schwierig zu desinfizierende Flächen, sofern diese während der Behandlung nicht abgedeckt sein können.
Desinfektion

SRP ; Abk. v. scaling and root planing ; geschlossene PA-Therapie

SSO
Standesvertretung der Schweizer Zahnärzte. Die in der Berner Altstadt gelegene Schweizerische Zahnärzte Gesellschaft, die Societe Suisse d'Odonto-Stomatologie (SSO), vereinigt mehr als 90 Prozent aller Zahnärzte auf freiwilliger Basis und ist für alle standes- und berufspolitischen Belange der Zahnärzte zuständig. Als Vertreterin der Zahnärzte ist die SSO die Gesprächspartnerin der Behörden auf der Bundes- und Kantonebene. Sie ist auch für die Fortbildung der Zahnärzte zuständig, die bei allen SSO-Mitgliedern Pflicht ist. Die Öffentlichkeitsarbeit und die Publikationen von Zeitschriften der Zahnärzte gehören auch zu ihren Tätigkeiten. Die SSO bietet außerdem weitere Leistungen wie Rechts- und Finanzberatungen.
http://www.sso.ch

Stabilisierungsschiene
engl.: stabilization splint; aus hartem Kunststoff bestehende, die Kronen der gesamten Zahnreihe umfassender Aufbissbehelf; entweder in zentrischer Kondylenposition bei Erkrankungen des Kausystems, z.B.: Myopathien, Stellungs- und Formveränderungen des Condylus, partielle Diskusverlagerung ("Stadium I"), totale Diskusverlagerung ohne Reposition ("Stadium III", chronisch) oder bei parodontal geschädigten ("gelockerten") Zähnen (Parodontitis marginalis, traumatische Zahnverletzungen) im Sinne einer Verblockung.
Äquilibrierungsschiene, Aufbiss-Schiene, Repositionsschiene



Miniplast-Schiene;
geringe kosmetische und funktionelle  Beeinträchtigung

stable base appliance
Schlagwortbez. aus dem Bereich der Teilprothetik. Der Begriff geht auf gnathologisches Gedankengut zurück und fordert, dass bei einem Freiendsattel dieser so gestaltet sein sollte, dass sich die Prothesenbasis bei Kaubelastung so gering bewegt, dass keine Belastung auf die Zähne des Restgebisses vorkommt ( Abstützung) und die Kaukräfte gleichmäßig auf das Kieferkammgewebe übertragen werden. Halteelemente an den Restzähnen dienen dabei nur noch als Anker gegen horizontale Kräfte. Man verspricht sich von diesem Vorgehen eine Verhinderung der Resorption der
Alveolarfortsätze.
http://www.iww.de/zr/archiv/allgemeine-zahnheilkunde-abnehmbare-teilprothetik-nach-dem-prinzip-der-stable-base-appliance-f36355

Staffelstellung ; engl.: stacked behind; meist durch einen Engstand bedingte dachziegelartige Stellung der Frontzähne ; Engstand

Stafne-Zyste
Pseudozyste, engl.: Stafne cyst, Stafne’s bone defect; röntgenologisch als Zyste erscheinender Knochendefekt im Unterkiefer. Tatsächlich handelt es sich um eine linguale Knochenresorption ("Knocheneindellung", "Knochenaussparung") der Mandibula im Bereich der Unterkiefer-Speicheldrüse ( Glandula submandibularis), welche durch einen ständigen Druck auf dieses Gebiet ausgelöst wird.


Stahlkrone
engl.: steel crown; hauptsächlich in der Kinderzahnheilkunde angewandte Kronenart zur Versorgung von stark zerstörten Milchzähnen; auch gelegentl. zur vorübergehenden (provisorischen) Behandlung bleibender (Backen)Zähne.
konfektionierte Krone

Stahlprothese ; Trivialbezeichnung für eine Teilprothese auf der Grundlage eines Modellgusses

Stainbuster
Composite Bur
, Compositepolierer; durch kontinuierliche Abrasion selbstschärfende, rotierende Zahnoberflächen-Bearbeitungsinstrumente (Finierer) aus zirkonhaltigen Glasfasern in einer Kompositematrix. Nach Landenberger ergeben sich folgende Indikationen:
Füllungspolitur
Subgingivale Wurzelglättung
Entfernung von Belägen und Verfärbungen
Politur schwer zu erreichender interdentaler Wurzelbereiche
Entfernung von Kleberesten nach Bracketabnahme
Politur von Wurzelbereichen nach Ultraschallanwendung
Entfernung von provisorischem Befestigungszementen ohne Beeinträchtigung der Präparationsformen
Bezugsquelle: http://www.minimalinvasiv.de/download.php  
 


 


Stainton Syndrom
auch bekannt unter: Capdepont(-Hodge-Stainton) Zahndysplasie, engl.: Stainton's syndrome; Dentinogenesis hypoplastica (o. imperfecta) hereditaria mit dem Erscheinungsbild: zu kleine, gelblich-karamellfarbenen Zähne, angeborene Schmelzhypoplasien und Palmoplantarkeratosen (Verhornungsstörung der Handflächen und Fußsohlen).

Stammanästhesie , ungebräuchlicher Ausdruck für eine Leitungsanästhesie

Stampfhöcker
Arbeitshöcker
, Stützhöcker, engl.: working cusp; Bezeichnung für die tragenden Höcker der Arbeitsseite. Sie befinden sich i.d.R. oben lingual und unten bukkal. Scherhöcker

STAMPs
engl. Abk. von "specifically targeted antimicrobial peptides"; neuartige Wirkstoffkombination zum gezielten Ausschalten einzelner Bakterienarten ("probiotische Antibiotika"). Dabei handelt es sich um ein Fusionsprotein, bestehend aus einem Spezies-spezifischen Zielpeptid (das an spezielle Moleküle des Erregers bindet; sog. "Suchermolekül") und einem antimikrobiellen Peptid mit weitem Spektrum. Sollte sich das Prinzip auch in klinischen Studien durchsetzen, könnte es die Antibiotikatherapie generell verändern. Denn theoretisch ist es möglich, STAMPs für alle gewünschten Erreger herzustellen.
In der ZHK im Experimentierstadium bei der gezielten Ausschaltung des Hauptverursachers der Karies, dem Streptococcus mutans Bakterium. Erfolge werden z.Zt. (2009) skeptisch eingeschätzt.
Kariesimpfung

Standardtarif ; der Privaten Krankenversicherer, engl.: standard tariff;  ab 1.1.2009 durch den Basistarif abgelöst.
Basistarif oder Standardtarif in der privaten Krankenversicherung?

Staphylokokken
Haufen- oder Traubenkokken, "Eiterbakterien", von griech. staphylé = Weintraube und kókkos = die Kugel, engl.: staphylococcus; kugelförmige ~ 0,8 mµ große grampositive, nicht Sporen bildende, "traubenförmig wachsende" Bakterien, welche sich im Gegensatz zu den in Kettenform wachsenden Streptokokken in einem traubenähnlichen Haufen organisieren. Besondere Haftmoleküle ("eap" = extracellular adherence protein) bewirken im Wundgewebe einen besonders festen Halt; gleichzeitig behindern diese "eaps" die körpereigenen Entzündungszellen bei der Infektabwehr. S. sind häufig resistent gegen die klassischen Antibiotika. Generelles Vorkommen auf Haut und Schleimhäuten von Mensch und Tier, ohne unbedingt eine Erkrankung auszulösen.
Abszess, Autovakzine, Eiter, Gram Färbung, Granulom, Mundflora, Oberlippenfurunkel, Pyämie, Resistenz, Streptokokken
http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,734903,00.html



mikroskopisches Abbild
von S. auf einem Nährboden

Staphyloplastik
"künstliche Gaumenbildung", früher: Staphyloraphie, engl.: staphyloplasty; chirurgisch-plastische Korrektur (Verschluss einer Spalte) am weichen Gaumen, spez. im Bereich des Zäpfchens; Gaumenplastik

Stärke , engl.: starch; Amylum, Glykogen

starre Verbindung ; engl.: rigid connection; Geschiebe, Interlock, Verbindungselement

State of Art , dem aktuellen Wissensstand entsprechend; Goldstandard

Status
engl.: state, chart
Beschreibung/bildliche Darstellung eines gegenwärtigen Zustandes; so stellt der Gebissstatus den gegenwärtigen klinischen Zustand (Status praesens) der Zähne (Fehlstellungen, Karies, Zahnfleischerkrankungen) dar. Unter einem Röntgenstatus versteht man in der ZHK die röntgenologische Untersuchung aller Zähne (i.d.R. mit intraoralen Zahnfilmen).
Röntgenstatus, Parodontalstatus,
Zahnstatus

Status-X-Röntgengerät , Panoramavergrößerungsaufnahme

Staub Cranial-System
neuartiges System zur Bestimmung des Zahnbogens und der Position von Kunstzähnen auf Zahnersatz. Es erleichtert weiter die Berechnung der Okklusionsebene und der vertikalen Kieferrelation.
Im Rahmen seiner Grundlagenforschung an über 6.500 verschiedenen Modellen konnte K.H. Staub sowohl im Oberkiefer als auch im Unterkiefer konstante Größen nachweisen, die bis heute in der Zahnmedizin unbekannt waren. Diese reproduzierbaren Größen werden als "Craniale Referenzpunkte" bezeichnet und sind der Ausgangspunkt für eine genaue Rekonstruktion des ursprünglichen Zahnstands, die anhand der Modellanalyse rechnerisch vorgenommen wird. Ausführlich unter http://www.staub-cranial.de ; bedeutende wissenschaftliche Untersuchungen bisher (2010) nicht bekannt.

Stauchung , unfallbedingte Quetschung in Längsrichtung eines Objekts, engl.: compression; traumatische Zahnverletzungen

Stauchungsfraktur
Stauchungsbruch, Kompressionsfraktur, engl.: compression o. impacted fracture; Knochenbruch, der durch die Stauchung eines Knochens in der Längsachse ausgelöst wird. Hauptvorkommen in der ZHK im Bereich des Kiefergelenks ( Collumfraktur), wenn die Gewalteinwirkung von vorn auf die Kinnspitze erfolgt.
Kieferbruch

Steele Facette
engl.: Steele's facet; historische, 1903 von Thomas Steele entwickelte, fest-zementierte Keramik-Facette für Stiftkronen und Brückenarbeiten. Im Gegensatz zu "Langstift-Facetten" hat die S. F. eine glatte Rückenfläche mit einem eingebrannten Kanal, in welchen exakt ein Stift der zu verblendenden Metallrestauration passt.

Steg
Verbindungssteg, Stegverankerung, engl.: connecting bar o. continuous beam; Verbindungsvorrichtung bei festsitzend-herausnehmbaren Zahnersatz. Zwischen zwei überkronten Zähnen (meist den unteren Eckzähnen, wenn die 4 kleinen Schneidezähne fehlen), befindet sich eine starre Verbindung ("Verblockung") aus vorgefertigtem stabilen "Golddraht" (runder o. ovaler Querschnitt) oder aus einem gegossenen Zwischenstück (meist parallelwandig), auf welchem die Teilprothese gleichzeitig abgestützt und gehalten wird.
Verbunden wird der herausnehmbare Ersatz über sog. "Stegreiter" (engl.: bar clip, bar attachment), welche meist aktivierbar ("aktiv") sind.

Je nach Querschnitte des St. spricht man von einem Steggelenk (auch: Dolder-Gelenk, engl.: bar joint) bei rundem u. ovalem Querschnitt, welches Drehbewegungen um die Achse des St. zulässt, bzw. von einem Steggeschiebe (auch: Dolder-Geschiebe, engl.: bar attachment) bei parallelwandiger Ausformung des St. (starre Verbindung mit dem St., keine Rotation möglich)
Ankerelement, Coverdenture, Dolder Steg, Geschiebe, Gilmore Reiter, Kombinationsprothese, Reiter, Verbindungselement, Verblockung , Wurzelstiftkappe




Wurzelstift-
kappen mit einem
Steg verbunden

Steilbiss
engl.: vertical bite; nach Angle Klasse II,2: Neutralokklusion bei Steilstellung der oberen und unteren Frontzähne (retrudierte Schneidezähne); i.d.R. kombiniert mit einem Tiefen Biss bzw. Deckbiss
Interinzisalwinkel, Schachtelbiss  

Steiner-Analyse
engl.: Steiner-analysis; früher gebräuchliche Auswertung eines Fernröntgenbildes als zusätzliche diagnostische Maßnahme bei der Behandlung von Engständen. 1953 eingeführt, galt sie damals als übersichtliche, leicht zu erlernende Analyse.
S-Linie (Steiner Profillinie)

Steinzement
Silikophosphat-Zement, "Zinkporzellanzement" engl.: stone cement; in der ZHK wenig gebräuchliches Füllungsmaterial (heute werden stattdessen meist Glasionomerzemente verwendet) zur provisorischen Versorgung von Kavitäten; früher auch bei der Modellherstellung angewandt. Gute Haftfähigkeit am Dentin; auch mit zugesetzten Kupfer-Ionen auf dem Markt.
Das Pulver besteht aus einer Mischung zu ~ 40 % von reinem Zinkoxid und einem Glas-Silikat-Zement; die Flüssigkeit aus einer wässrigen Lösung der Phosphorsäure. Verwendung als provisorisches Füllungsmaterial bei sog. "Amalgamsanierungen bzw. "Metallsanierungen" (Austausch von Füllungswerkstoffen) für einige Monate.

Stellungnahme engl.: statement; Leitlinien

Stellungsanomalien, Zahnstellungsanomalien, engl.: anomaly of tooth position; Kieferorthopädie

Stent Masse
engl.: Stent's mass; nach dem Londoner ZA C. Stent benannte, historische, starr-reversible, wieder verwendbare Abdruckmasse. Das zu den Kompositionsabdruckmassen zählende Material enthält plastische Stoffe (wie z.B. Kopal, Schellack, Kolophonium), elastische Massen (wie z.B. Rohkautschuk, Guttapercha), Weichmachungsmittel (wie z.B. Triphenylphosphat, Paraffin) sowie Füllstoffe und Färbemittel (wie z.B. Talkum, Farben).
http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/diss-online/05/05H160/t7.pdf

Step-back-Technik
Stufenaufbereitung, "ein-Schritt-zurück-Technik"; besonderes Verfahren im Rahmen einer Wurzelkanalaufbereitung: Zweck ist die stufenförmige, konische Aufbereitung des Hauptwurzelkanals und Schaffung einer "Eigendentinplastik" oberhalb vom Foramen des physiologischen Apex (sog. Eigendentinverschluss). Alternativ dazu besteht die sog. Step-down-Technik
Balanced force-Technik, Ellbogen-Effekt, Step-down-Technik

Step-down-Technik
Crown-down-Technik, "ein-Schritt-nach unten-Technik"; frühe koronale Erweiterung und spätere apikale Aufbereitung des Wurzelkanals; vor allem bei stärker gekrümmten Wurzelkanälen angewandte Technik der Wurzelkanalaufbereitung: zur Verringerung des Risikos einer Wurzelkanalperforation ( Via falsa) wird zunächst die koronale und mittlere Erweiterung des Wurzelkanals (bis zur Krümmung hin) mit dünnen Wurzelkanalinstrumenten und Gates-Bohrern durchgeführt. Erst dann wird der apikale Anteil mit voller Arbeitslänge der dünneren Instrumente aufbereitet.
Eine Kombination von Step-back- und Step-down-Technik ist die sog. Double-flare-Technik, welche ebenfalls bevorzugt bei gekrümmten Wurzelkanälen eingesetzt wird (ausführlich unter http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de , S. 4-5)
Balanced force-Technik, Step-back-Technik

Stephan-Kurve
ist das Diagramm eines pH-Wert-Abfalls in der Plaque nach Konsum von Glukoselösung. Innerhalb kurzer Zeit (ca. 5 Min.) sinkt der pH-Wert des Speichels auf unter 5,5. Die Puffersysteme sorgen für eine Stabilisierung des pH-Wertes, benötigen jedoch 35 - 40 Minuten, um den Ausgangswert wieder zu erreichen. Der Kurvenverlauf ist u.a. auch abhängig von der Zuckerdiffusionsgeschwindigkeit, der Säureproduktion in der Plaque und der Säurediffusionsgeschwindigkeit.
Vipeholm-Studie
http://edoc.ub.uni-muenchen.de/

Stereognosie
engl.: stereognosis; Fähigkeit, Gestände ausschließlich durch Betasten (Augen sind geschlossen!) zu erkennen und ihnen entsprechende Merkmale (z.B. Größe, Beschaffenheit) zuzuordnen. Orale Stereognosie (orale Taktilität; Erkennen von Gegenständen vornehmlich durch Betasten der Zunge) ist nach jüngsten Untersuchungen ein wichtiges Kriterium für die Zufriedenheit von eingegliedertem Zahnersatz, vornehmlich bei Vollprothesenträgern.
Vollprothese, Zahnersatz, Zunge

Stereomikroskop ; engl.: stereomicroscope; Operationsmikroskop

Sterilisation
engl.: sterilization; Keimfreimachen von medizinischen Instrumenten, Wäsche usw. (= Sterilisiergut), i.d.R. durch Erhitzen ("Hitzesterilisation") im geschlossenen Behälter auf Temperaturen über 100º C im Sterilisator ( Autoklav). Der unter Druck stehende Wasserdampf ("gespannter Wasserdampf") wirkt 15 Minuten lang bei 121° C in sog. Autoklaven ein. Durch Erhöhung der Temperatur (bis 141° C) und einer damit verbundenen Steigerung des Dampfdrucks (bis 3 bar) kann die S.-zeit entsprechend reduziert werden. Alternativ wird trockene und heiße Luft eingesetzt ( Heißluftsterilisation). Andere Verfahren der S. , wie z.B. Strahlen, Mikrowellen oder Chemikalien, haben sich wegen der komplizierten Handhabung bzw. unvollständiger S. im zahnärztlichen Bereich nicht durchsetzen können.
Bei der Wurzelkanalbehandlung ist auch der Kugelsterilisator zur S. der Wurzelkanalinstrumente gebräuchlich: Ein mit Salz oder Glasperlen gefüllter kleiner Behälter im Bereich des Behandlungsplatzes sterilisiert bei Temperaturen um 230° C innerhalb 10 sec. die Aufbereitungsinstrumente unmittelbar vor Einbringen in den Wurzelkanal.
Eine Überprüfung der Effektivität (bacteriological control) einer S. erfolgt durch sog. Sterilisationsindikatoren, z.B. mit:
Glasröhrchen mit einem Farbindikator, welches beim Erreichen einer bestimmten Temperatur die Farbe verändert oder präparierte Klebestreifen, die bei einer bestimmten Temperatur andersfarbig werden ("Thermoindikatoren"). Diese Methode dient als tägliche Routinekontrolle, da sie nur etwas über die erreichte Temperatur des Röhrchens aussagt aber nichts über den Autoklaven selbst, oder exakter durch
Sporenpäckchen (mit Keimen versehene Teststreifen, sog. "Bioindikator"), welche durch ein mikrobiologisches Institut ausgewertet werden. Empfehlungen besagen, dass dieser Test mindestens zweimal jährlich zur Überprüfung der Funktionsfähigkeit der St. durchgeführt werden sollte.
Asepsis, Aseptik, Ausgleichszeit, Autoklav, Biostoffverordnung, Desinfektion, Gassterilisation, Hygiene, Instrumentendesinfektion, "Kaltsterilisation", PDT, Plasma, Strahlensterilisation, Wasserentkeimung
"Infektionsprävention in der Zahnheilkunde - Anforderungen an die Hygiene" ; sog. Hygienerichtlinien des RKI, 2006 ©: RKI-2006

Sterilisator , engl.: sterilizer, Autoklav

Sterilität
engl.: sterility; Fehlen von Keimen und Mikroorganismen in einem umschriebenen Gebiet; im Idealfall sind keine Mikroorganismen, Sporen Viren, Plasmide und andere DNA-Fragmente mehr vorhanden bzw. aktiv; im Volksmund dagegen meist für "Unfruchtbarkeit" o. "Unfähigkeit zur Fortpflanzung" gebraucht.
Asepsis, Sterilisation

Stern Geschiebe , engl.: stern attachment; intrakoronales, starres Geschiebe ; http://www.sterngold.com

Stevia
Chrysanthemengewächs, natürlicher? Süßstoff, Zuckerersatzstoff; Kennzeichnung auf Produkten als "Süßstoff E 960" oder "Süßstoff Stevioglykoside". Blätter des Stevia-Strauches (auch „Süßkraut“ o. „Honigkraut“; Heimat: Lateinamerika) mit den genannten Steviolglycosiden besitzen eine bis zu 300 mal stärkeren Süßkraft als Haushaltszucker. Zusätzlich wird dem Produkt eine Plaque-hemmende Eigenschaft nachgesagt; besonders hoher Gehalt von Vitamin C- und Zink. "Süßungsmittel, die aus den Blättern der Stevia-Pflanze gewonnen werden, sind für die Gesundheit unbedenklich - vorausgesetzt, eine bestimmte Tagesdosis wird nicht überschritten. So lautet das Fazit eines Gutachtens der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) aus 2010". Anhand der in 2010 vorliegenden Daten wurde eine tägliche tolerierbare Aufnahmemenge (ADI) von vier Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt. Der ADI ist die Menge einer Substanz, die lebenslang pro Tag ohne gesundheitliche Auswirkungen verzehrt werden kann. Im November 2011 hat die EU alle Stevia-Produkte in ihren Mitgliedsländern zum Verzehr frei gegeben.
Je nach Herstellungsverfahren kann St. unterschiedlich schmecken, z.B. nach Lakritze oder unangenehm bitter. Da der Süßstoff durch ein chemisches Verfahren aus den Blättern extrahiert wird, kann er nicht - wie zuweilen von alternativen Gruppen behauptet - als ein "Bioprodukt" bezeichnet werden.
Abbildung
Zuckerersatzstoffe
Stevia: Klägliche Reste einer vermeintlichen Wunderpflanze
http://idw-online.de/pages/de/news108726 ; https://stevia.uni-hohenheim.de/

Stichinzision
Parazentese, engl.: spot incision; kleiner Einstich/Einschnitt in die Haut/Schleimhaut eines Hohlraumes zur entlastenden Drainierung (z.B. bei einem Abszess). Abszesseröffnung

Stichverletzung
Nadelstichverletzung, NSV, engl.: stab wound; in der ZHK hauptsächlich bei der Entsorgung von Kanülen auftretende Zwischenfälle im Anschluss an eine lokale Anästhesie, wenn die benutzte Kanüle in ein Sammelgefäß oder in die Kanülenhülse (Aufstecken der Kappe auf die Kanüle) gegeben wird. Jede dieser Verletzungen birgt das Risiko z.B. an einer Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus, dem Hepatitis-C-Virus oder HIV zu erkranken. Empfehlungen gehen dahin, diese Aufbewahrung/Entsorgung grundsätzlich nur mit einer Hand vorzunehmen und auf ein Wiederaufsetzen der Kappe zu verzichten, sondern die nackte Kanüle gleich in ein geeignetes Sammelgefäß zu geben.
http://www.dgch.de/ oder ©: "SAFTY FIRST" ; Hygieneleitfaden-DAHZ (2011)
http://www.umwelt-online.de/PDFBR/2013/0325_2D13.pdf (EU-Verordnung) ; http://data.aerzteblatt.org/pdf/110/5/m61.pdf

Stiellappen
gestielter Lappen, engl.: pedicle flap; Schlagwortbezeichnung für eine Lappenplastik: Es verbleibt bei einer plastischen Deckung ein Teil des Lappens im ursprünglichen, mit Gefäßen versorgten Gewebe, der andere Teil des Lappens wird in den Defekt hinein verlagert.
Der Gegensatz ist der Freie Lappen (engl.: free flap). Dieser Lappen wird mitsamt den ernährenden Gefäßen vollständig vom Ursprungsort herausgelöst und am Empfängerort eingepflanzt.
Arterienlappen, Mukoperiostlappen, Schwenklappen
http://miami.uni-muenster.de/, http://www.chirurgie-ksm.ch/

Stierzahn, Rinderzahn; Taurodontie

Stiftaufbau
Schraubenaufbau, Wurzelanker, engl.: u.a. post and core, root pin (Wurzelstift); teilweise Wiederherstellung einer zerstörten Zahnkrone mittels Stiften oder Schrauben, welche im Wurzelkanal verankert werden im Rahmen einer Wurzelkanalbehandlung. Anwendung bei tief zerstörten, wurzelkanalbehandelten Zähnen, wo die natürliche Zahnkrone allein keinen Halt mehr für die Aufnahme eines Zahnersatzes (Krone) bietet. Zum Einsatz kommen dabei:
parapulpäre Stiftchen (sog. Stiftchenverankerung) bei vitalen Zähnen; heute wegen der Möglichkeiten der Adhäsivtechnik und der Gefahr einer Pulpenverletzung nur noch begrenzt im Einsatz
Schrauben, Gussobjekte oder Stifte bei devitalen Zähnen

Neben den als klassisch zu bezeichnenden Stiftsystemen auf Metallbasis werden heute vermehrt St. aus faserverstärktem Komposite und auf Zirkonbasis angeboten. Daneben unterscheidet man aktive (mit Gewinde, s. Abb. oben: "Radix-Anker™ ") von passiven (konisch, zylindrisch, zylindrisch-konisch) Stiftsystemen. Zu den nichtmetallischen Systemen liegen bisher (2010) nur statistisch unzureichende klinische Langzeiterfahrungen vor; bisherige Erfahrung deuten auf positive Ergebnisse hin.
Gegossene Aufbauten aus Metall sind heute in der Praxis kaum noch üblich. Ein relativ großer Substanzverlust, erhöhte Laborkosten, eine zweite Behandlungssitzung und erhöhte Schwierigkeiten bei der provisorischen Versorgung stehen in keinem Verhältnis zu deren Vorteilen
Nach Daniel Edelhoff, Hubertus Spiekermann (in zm 93 vom 1.4.2003) ergeben sich folgende Vor- und Nachteile der versch. Behandlungskonzepte:
  • Metall
    umfangreiches Systemangebot, klinische Langzeiterfahrungen, Standardtherapie (2010)
    Korrosionsproblematik, ungünstige optische Eigenschaften, hohes E-Modul, Infrakturen bei Schraubenaufbauten (s.u.), Keilwirkung ("wedge effect") von Metallstiften
  • faserverstärktes Komposite
    Stiftaufbauten aus carbonfaserverstärkten Epoxidharzen (z.B. ComposiPost® oder RTD®) verfügen über gute klinische Eigenschaften. Ihre dentinähnliche Elastizität reduziert die Frakturrate im Vergleich zu metallischen Stiftsystemen.
    günstige Biomechanik, u.U. wieder entfernbar, Biokompatibilität, optische Eigenschaften (bei Glasfaserverstärkung)
    anisotropes Verhalten, Flexibilität des Aufbaus, Hohe WAK-Differenz (WAK = Wärme-Ausdehnungs-Koeffizient) zur Zahnhartsubstanz, unzureichende klinische Langzeiterfahrung
  • Zirkonoxidkeramik
    Mit der Einführung vorgefertigter Wurzelstifte aus teilstabilisierter Zirkonoxid-Keramik (z. B. Cerapost oder Cosmopost) stehen metallfreie Stiftaufbausysteme mit guten ästhetischen und werkstofflichen Eigenschaften zur Verfügung. Durch die Entwicklung einer speziellen Glaskeramik (z.B. Empress Cosmo), die als individueller Stumpfaufbau an konfektionierte Wurzelstifte aus ZrO2-Keramik angepresst werden kann, ist die Herstellung einteiliger, halbkonfektionierter Stiftaufbauten möglich geworden. Der Haupteinsatzbereich ist die Frontzahnregion des Oberkiefers. Eine Steigerung der Stiftverankerung im Wurzelkanal sowie eine bessere Spannungsverteilung auf die umgebene Kanalwand kann durch eine adhäsive Befestigung erzielt werden.
    weiße Farbe, Transluzenz, Biokompatibilität, hohe Festigkeit
    extrem hohes E-Modul, extrem hohe Härte, nicht wieder entfernbar, Konfektionierte Wurzelkanalstifte aus Zirkoniumoxid-Keramik zeigen im Labortest eine nur unzureichende Retention (Halt im Wurzelkanal). Die Schwachstelle des Verbundes liegt zwischen dem Kunststoffzement und der keramischen Oberfläche; unzureichende klinische Langzeiterfahrungen.

  • Eine Studie aus 2007 sieht keinen Unterschied zwischen Gold-Stiftaufbauten und Komposit-Stiftaufbauten:
    "Gold-Stiftaufbauten wie Komposit-Stiftaufbauten sind mit hohen Überlebensraten gleichermaßen als Aufbausysteme devitaler Zähne geeignet, für die Prognose sei eigentlich die verbleibende Menge an gesunder Zahnsubstanz entscheidend. In der Studie von Dr. Ronald E. Jung et al. („A Comparision of Composite Post Buildings and cast Gold-Post- and Core-Buildings for the Restauration of non-vital Teeth after 5–10 years“, in: Int J Prosthodont Januar/Februar, 20/2007) werden auch keine statistisch signifikanten Unterschiede bei den Komplikationsraten der beiden Systeme gefunden."

Aufbaufüllung, Cosmopost, Davis Krone, Facette, getapert, Kernkrone, Krone, Logan Krone, Masseran Instrumentarium, parapulpäre Stifte, Pinlay, Pinledge, Richmond-Krone, Steele Facette, Stiftkrone, Stiftverbolzung, Transfixation, Wurzelkanal, Wurzelstiftkappe, Zahnstumpf
Kronen auf Zahnwissen.de
http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de (ab S. 7)

 

 


glasfaserverstärkter Komposite-Wurzel-
stift Dentipost® der Fa. Komet (Copyright der Graphik)

 




gegossener Aufbau

 

 



Einbringen eines
Metall-Schraubenaufbau
("Radix-Anker™")

Transfixation
gelockerte bzw.
frakturierte
Zahnwurzeln

Stiftkrone
Stiftzahn, engl.: dowel crown, pivot tooth; St. werden nur noch historisch als eigene Kronenart bezeichnet, da es früher Verfahren gab, bei welchen die Krone samt Stift in einer Einheit hergestellt wurde. Heute heißt die Krone korrekter: "Krone mit Stiftverankerung" oder "Krone mit Stiftaufbau", wobei der Begriff "Stift" nicht wörtlich genommen werden muss, denn es kommen auch Schrauben oder individuell gegossenen Aufbauten zum Einsatz. Stiftaufbau

Stiftung Gesundheit
engl.: etwa donation health; ist eine gemeinnützige, unabhängige Stiftung bürgerlichen Rechts. Sie wurde Anfang 1996 mit der Genehmigung des Innenministeriums Schleswig-Holstein errichtet und wird durch die Stiftungsaufsicht beständig kontrolliert.
http://www.stiftung-gesundheit.de/ 

Stiftverbolzung
engl.: post bolting, pin bolting; besondere, seltene Form der transdentalen Fixation bei Zahnwurzelfrakturen im apikalen Drittel: Nach Entfernung des Frakturstücks im Rahmen einer Wurzelspitzenresektion wird ein über die Restzahnwurzel herausragender Stift ("transapikaler Stift") im Wurzelkanal einzementiert.

Stillkaries , engl.: caries induced by breast feeding; Nursing-Bottle-Syndrom, Ernährungsempfehlungen

Stillman Spalte
engl.: Stillman('s) cleft (cliffs); nach dem amerik. Zahnarzt Paul St. benannter Defekt des Zahnfleisches im Zahnhalsbereich, besonders am oberen Eckzahn vorkommend. Es bildet sich ein schmaler Spalt in der Gingiva, der sich zu einer Rezession ausweiten kann. Als Ursachen werden sowohl eine falsche Zahnputztechnik wie auch (wahrscheinlicher) Fehl- bzw. Überbelastungen (z.B. Knirschen) diskutiert.
Auf der Abb. re. ist sehr schön auch die sog. McCall Girlande - eine wulstförmige, entzündungsfreie Verdickung - des Zahnfleischrandes zu sehen.
Miller-Klassen, Rolltest


Stillman-Technik
Stillman-Methode, Rotationsmethode, engl.: Stillman's method (of toothbrushing); spezielle Zahnputztechnik zum Schutz und zur Stimulierung des Zahnfleischs. Einsatz vor allem bei Patienten mit bestehenden Zahnfleisch-Rezessionen (Rückgang) bzw. keilförmigen Defekten. Schwer zu erlernen und auf Dauer beizubehalten; muss vom Fachpersonal gelehrt und sollte in gewissen zeitlichen Abständen kontrolliert werden.
Bei der klassischen St.-T. wird die Zahnbürste in einem Winkel von 45° zur Längsachse des Zahnes in Höhe des mittleren Drittels der Zahnwurzel aufgesetzt und ähnlich wie bei der Bass-Technik unter intermittierendem Druck leicht rotierend auf der Stelle bewegt. Die modifizierte St.-T. führt zusätzlich noch eine "Abrollbewegung" zur Zahnkrone ("von Rot nach Weiß") hin aus (s. Abb.)
Bass-Technik, Charters-Methode, Rot-Weiß-Methode, Zahnbürstmethoden


Stippelung, Tüpfelung, Orangenhaut-Stippelung, engl.: stippling; wie die Oberfläche einer Zitrusfrucht aussehnende Oberfläche der gesunden Gingiva

Stockzahn , mundartlicher Ausdruck aus Südd., Österr. u. Schweiz für den großen oder kleinen Backenzahn

Stomaticum
Stomatikum
, von griech. stoma = Mund; wenig gebräuchliche Bezeichnung für ein Heil- und Pflegemittel für die Mundhöhle, spez. des Zahnfleischs. Zusatzbezeichnung z.B. bei Mundspüllösungen u. Zahnpasten

Stomatitis
Mundschleimhautentzündung, griech. Stoma = Mund ( stomatogen); engl.: do.; Entzündung der gesamten Mundschleimhaut, meist auf dem Boden einer Gingivitis oder Parodontitis, verbunden mit einem Foetor ex ore und einer erschwerten Nahrungsaufnahme. Als Ursachen kommen mangelnde Mundhygiene, ein reduzierter Allgemeinzustand (bei Infektionen, Erkrankungen des Immunsystems), chemische o. physikalische Reize der Schleimhaut und Vergiftungen in Frage. Man unterscheidet hauptsächlich (es werden noch eine Vielzahl weiterer Erkrankungen beschrieben, die meist den Namen der Grunderkrankung tragen):

St. allergica, auch St. medicamentosa : orale Erscheinung einer Allergie (enteral, parenteral oder durch Inhalation aufgenommene Allergene); bei einem direkten Kontakt der Schleimhaut mit entsprechenden Substanzen spricht man von einer St. venata, ausgelöst meist bei der lokalen Anwendung von Antibiotika, aber auch durch Sulfonamide, Procain und Salicylate.
St. (herpetica) aphthosa , auch rezidivierende Stomatitis aphthosa (RSA): Virusinfektion mit kleinen, grauweißlichen von einem hochroten Hof umgebenen Flecken, vorwiegend bei Kindern beim Durchbruch der Milchzähne, aber auch zeitlebens bei Erwachsenen bei Allgemeinerkrankungen und Magen-Darm-Störungen.
Herpes
St. diphtherica: mit einer Diphtherie einhergehende Entzündung der Mundschleimhaut und der Mandeln; äußerst ernstes Krankheitsbild.
St. epidemica, St. epizootica, auch Maul- und Klauenseuche; Aphthenerkrankung der Klauentiere, ausnahmsweise auch auf den Menschen (Melkerberuf) übergreifend.
St. prothetica : auch Prothesenstomatitis; unter (herausnehmbaren) Zahnersatz auftretende Entzündung der Mundschleimhaut (häufig Pilzinfektionen mit Candida albicans), verursacht durch mangelnde Prothesenhygiene in Kombination mit einer mikroskopisch rauen Prothesenoberfläche.
St. simplex, auch St. catarrhalis: als leichte Form einer Mundschleimhautentzündung; häufig als Begleiterscheinung von fieberhaften Erkrankungen oder mangelnder Mundhygiene, Alkohol- und Nikotinabusus, in der Schwangerschaft, bei Anämien, chemische o. physikalische Reize.
St. ulcerosa, Stomakake, auch Mundfäule; geschwürige, eitrige Entzündung der Mundschleimhaut, ausgelöst durch Bakterien bei reduziertem Allgemeinzustand des Organismus wie bei Infektionskrankheiten (z.B. Plaut-Vincent-Angina), chronischen Vergiftungen oder Veränderungen des Blutbildes vorkommend. Charakteristisch sind ein unangenehmer Mundgeruch (Foetor ex ore) und grün-gelbliche, schmierige Beläge auf der Mundschleimhaut verbunden mit starken Schmerzen, Fieber und vermehrtem Speichelfluss. Häufig tritt auch ein Gewebeverlust der Zahnfleischpapillen auf.
Aphthoid, Aphthosis, Mundschleimhauterkrankung, Prothesenstomatitis, Quecksilberstomatitis
Special: Einteilung und Erscheinungsbilder von Zahnfleischerkrankungen
Special: Einteilung der Zahnfleischerkrankungen (international)
 

 

 

 



Stomatitis
ulcerosa als
Folge einer Säureverätzung

stomatogen , engl.: stomatogenic; vom Mund bzw. von der Mundschleimhaut ausgehend, herrührend; zum Mund gehörend.

stomatognathes System
Gesamtheit des Kauorgans/-systems, engl.: stomatognathic system; bestehend aus:
den beiden Kiefern: Oberkiefer (Maxilla) und Unterkiefer (Mandibula)
Zähne und Zahnhalteapparat (Parodont)
Zungenbein (Os Hyoideum)
Kiefergelenk (Articulatio temporo manibularis). Bei der neuromuskulären Steuerung des st. S. kommt dem diesem Gelenk eine bedeutende Rolle zu. Versch. Wissenschaftler vertreten sogar die Auffassung, dass eine Störung dieser komplexen Wechselbeziehung auch Auswirkungen auf die Statik unserer Körperhaltung haben kann.
Weichgewebe der Zunge (Lingua), Wange (Bucca), Gaumen (Palatum), Lippen (Labia), Muskulatur der Bänder des Kopfes, Halses und Nackens
neurale, vaskuläre und lymphatische Versorgung dieser Gewebe
Speicheldrüsen (Glandulae salvatoriae)
Kauorgan, Kiefergelenk, Okklusion

Stomatologie
griech: Stoma = Mund, Logia = Lehre, Lehre vom Mund und seinen Krankheiten o. Wissenschaft von der Heilkunde der Krankheiten die Mundhöhle betreffend.
Der Ursprung dieses Begriffs liegt bei dem Pariser Zahnarzt E. Magitot (1843-1897), welcher sprachlich die praktisch ausgebildeten Zahnärzte als "Odontologen" und die universitär ausgebildeten als "Stomatologen" bezeichnete.
In der ehem. DDR erhielten die Zahnmedizinabsolventen nach ihrem Abschluss eine Approbation als Zahnärzte. Dem folgend, konnte dann eine Weiterbildung zum Fachzahnarzt in der allgemeinen Stomatologie, der Kinderstomatologie oder der orthopädischen Stomatologie mit dem Abschluss als Diplom-Stomatologe (Dipl.-Stom.) begonnen werden. 
Zahnheilkunde

Stomion
(Sto) engl.: do.; kieferorthopädischer Messpunkt, welcher aus dem am weitesten anterior gelegenen Punkt beim Lippenschluss gebildet wird. Unterteilung in:
Stomion inferius (Sti): unterster Punkt der Oberlippe
Stomion superius (Sts): oberster Punkt der Oberlippe
Lippentreppe, Oberlippenlänge
http://www.clinicalorthodontic.com/Cephalometrics.swf

Stopfen
engl.: plugging; Schlagwortbez. für den Kondensationsvorgang beim Legen einer Amalgamfüllung bzw. bei der Verarbeitung von chemoplastischen Kunststoffen ("stopfbare Komposites", Einbringen von Prothesenbasismaterial in eine Kuvette mittels "Stopfverfahren") 

Stopfgold
Reingold, Galvanoformgold, engl.: do. o. cohesive gold; Oberbegriff für Feingold-Darreichungen beim Legen einer Goldhämmerfüllung. Es handelt sich dabei entweder um Schwammgold (kleine, gesinterte, poröse Partikel) oder zusammengerolltes Blattgold in Form von "Pellets".

Stops
okklusale Stops, Schlagwortbezeichnung für okklusale Berührungspunkte beim Zusammenbiss, sog. statische Stops bzw. zentrische Stops. Als optimal werden punktförmige, flache, stabile zentrische Stops - d.h. ein Stop pro tragenden zentrischen Höcker des gegenüberliegenden Zahnes - angesehen. Funktionell noch zusätzliche Unterscheidung in Ausgleichsstopper ("nerver-come-back-stopper") und Schließstopper ( Balanceseite, Arbeitsseite).
ABC-Kontakte, statische Okklusion, Zentrik

Störfeld , Fokus

Störkontakt , Gleithindernis

Strahlenbelastung
Strahlenexposition, Strahlendosis, engl.: exposure dose; Einwirkung von ionisierender Strahlung (z.B. Röntgenstrahlen) auf biologische Systeme. So nimmt man an, dass eine Durchschnittsperson jährlich (j) einer natürlichen Strahlenbelastung von etwa 170 - 230 Millirem (mrm) (= 170 - 230 mrm/j) ausgesetzt ist. Diese Exposition teilt sich etwa wie folgt auf:

30 mrm/j durch kosmische Strahlung,
50 mrm/j durch Erdstrahlung,
30 mrm/j durch sich ständig im Körper befindliche Strahlung,
50 mrm/j durch medizinische Anwendungen (der Hauptanteil entfällt auf Bestrahlungen und allgemeinmedizinische Bildgebungsverfahren; zahnärztlich verursacht (s.u.) nur 0,05mrm/j),
1 mrm/j durch Atomkraftwerke,
9 mrm/j durch sonstige Quellen.

   
  
(©: KWU, 1996)

Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS, 2005) ist die jährliche S. pro Person innerhalb weniger Jahre in der BRD von 1,5 auf 2,4 mSv gestiegen und nimmt damit den Spitzenplatz in Europa ein. Über 90% der Strahlenbelastung wird von Radiologen verursacht. Nur 4% aller Rö-Untersuchungen aber 37,8% effektive S. gehen zu Lasten der Computertomographie (CT). Umgekehrt haben die zahlenmäßig sehr häufigen Zahnaufnahmen nur einen geringen Anteil an der S. und sind nach Angaben der GFB (Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände) zusammen mit den Röntgenleistungen von Urologen, Orthopäden und HNO-Ärzten stark zurückgegangen. Die Kollektivdosis für alle röntgenologischen Maßnahmen in D beträgt 1,7 mSv/Jahr. Davon macht der zahnmedizinische Anteil nur 0,2% aus (= 0,004 mSv/Jahr), dies trotz der mit 36% relativ hohen Anzahl an Aufnahmen. Dies zeigt eindrucksvoll, wie gering die Belastung durch eine zahnärztliche Röntgendiagnostik ist.

Es gelten folgende Anhaltswerte: Die Einzelbelastung bei einer Zahnfilmaufnahme (intraoral, analog) beträgt ca.:
1,5 mrm auf der Hautoberfläche,
0,03 mrm mit Schutzeinrichtung im Bereich der Fortpflanzungsorgane des Patienten,
0,06 mrm beim Praxispersonal außerhalb des Kontrollbereiches,
0,006 mrm beim Praxispersonal außerhalb des Kontrollbereiches mit Schutzvorrichtung.

Vergleich verschiedener Rö-Untersuchungstechniken in der ZHK betreffs S. (Faustregel, Geräteabhängig):
4 intraorale Aufnahmen = 1 Panoramaaufnahme
4 Panoramaaufnahmen = 1 DVT
4 DVTs = 1 Dental-CT
Im Gegensatz dazu zeigen allgemein-medizinische Untersuchungen höhere Werte, wenn auch ebenfalls noch auf einem sehr niedrigen Niveau:
intraorale Zahn-Aufnahme     0,01 mSv
Mammographie     0,2 - 0,6 mSv
Wirbelsäule     0,1 - 1,8 mSv
CT-Schädel     2-4 mSv
Durchleuchtung   ca. 6,5 mSv
natürliche Strahlenbelastung  2,4 mSv/Jahr

Vergleich digital-analog in der Schweizer Monatszeitschrift Zahnmedizin (SSO): © SSO
oder:
natürliche Strahlenbelastung  im Mittel 2,4 mSv/Jahr
Urlaubsflieger im Mittel zusätzlich 0,20mSv/Jahr
Vielflieger im Mittel zusätzlich 1,40 mSv/Jahr
Flugpersonal im Mittel zusätzlich 5,70 mSv/Jahr
Strahlenbelastung durch einen Zahnfilm <0,01 mSv

Über die Atmung, Nahrung oder Wunden in den Körper gelangte Radionuklide stellen für Jeden den größten Anteil an seiner natürlichen Strahlenexposition (von etwa 2,4 mSv/a) dar. In jedem Menschen zerfallen ca. 5.000 natürliche Kalium-40-Atome in jeder Sekunde seines Lebens. Uran und Thorium werden über Nahrungsmittel aus dem Boden in den Körper transportiert. Radon (ein radioaktives Tochterelement von Radium und Uran) befindet sich mit ca. 60 Zerfällen pro Sekunde und Kubikmeter in unserer Atemluft in Wohnzimmern, am Arbeitsplatz, etc. und wird über die Lunge aufgenommen.
Die Dosimetrie für inkorporierte Alpha-Teilchen-Strahler ist z.Zt. (2010) nur ungenau und sollte deutlich verbessert werden, da ein großer Unterschied zwischen der Röntgen- und Gammastrahlenbestrahlungen und nach Alphateilchenbestrahlungen besteht: Während im ersten Fall alle Zellen ähnlich betroffen sind, werden im letzteren Fall nur wenige (typisch 1 %) der Zellen, diese aber viel stärker von einer Strahleneinwirkung betroffen. Deshalb sind unterschiedliche Formen der Dosiswirkung wahrscheinlich und auch beobachtet worden. Dies ist aber in der Gesetzgebung und einschlägigen Verordnungen nicht berücksichtigt. Die meisten Strahlenrisikoabschätzungen wurden für Photonen und nicht für Alphateilchen abgeleitet.

In 2007 schreibt die Physikalisch-Technische-Bundesanstalt (gekürzt):
"
Im Rahmen eines vom BMU geförderten Forschungsvorhabens wurde die Dosis helfender Personen bei Röntgenuntersuchungen in der Zahnmedizin gemessen. Sie liegt im Bereich der Tagesdosis durch die natürliche Umgebungsstrahlung.
Bei zahnmedizinischen Röntgenuntersuchungen ist unter Umständen die Anwesenheit von helfenden Personen für die Beruhigung der Patienten erforderlich. Hierbei stellt sich die Frage nach der damit verbundenen Dosis für diese Personen. Im Rahmen eines BMU/BfS Forschungsvorhabens wurde die Dosis von helfenden Personen während zahnmedizinischer Röntgenuntersuchungen gemessen.
Die Röntgenuntersuchungen in der Zahnmedizin können in 4 Arten aufgeteilt werden: (1) Panoramaaufnahme des Gebisses, (2) Intraorale Einzel-Zahnaufnahme, (3) Fernröntgen-Seitenbild und die eher seltene (4) Digitale Volumentomographie.
Die Anwesenheit von helfenden Personen bei radiologischen Untersuchungen kann bei kleineren Kindern und bei behinderten oder dementen Patienten erforderlich sein. Wenn möglich, wird der Röntgenraum für den kurzen Augenblick der Aufnahme von den helfenden Personen verlassen.
Grundsätzlich ist in Räumen, in denen ionisierende Strahlung angewendet wird, aus Strahlenschutzgründen immer Schutzkleidung zu tragen. Bei den Messungen sollten jedoch die auftretenden Dosiswerte ohne den Abschirmungseinfluss dieser Kleidung bestimmt werden, damit die maximal auftretende Dosis auch für den Fall von nicht getragener Schutzkleidung erfasst ist. Zu diesem Zweck wurden die Dosimeter oberhalb der Bleischürze der helfenden Personen befestigt.
Die gemessenen Dosiswerte (für helfende Personen) liegen, je nach Untersuchungsart, im Bereich von 0,1 µSv bis 4 µSv, was vergleichbar ist mit der Dosis eines Tages durch die natürliche Umgebungsstrahlung von ca. 2 µSv. Zur Bewertung des Risikos für helfende Personen ist weiter zu beachten, das durch das Tragen von Schutzkleidung die auftretenden Dosiswerte, je nach Art der Schutzkleidung und der eingestellten Hochspannung, um bis zu einen Faktor 100 verringern werden können.
"

Dental-CT, DVT, Behandlung in der Schwangerschaft, Bissflügel-Röntgenaufnahmen, digitale Röntgendiagnostik, Dosimeter, Feldgröße, Filmempfindlichkeit, Gleichwert, Gonadendosis, Hormesis, Kiefergelenkaufnahme, Knochenszintigraphie, Kontrollbereich, Langzeitdosis, (Haut-)Oberflächendosis, Panoramavergrößerungsaufnahme, Radioaktivität, Röntgengerät, Röntgenstrahlen, Röntgenverordnung, Sievert, Strahlenrisiko, Strahlenschutz, Strahlentherapie, Zahnfilm
http://www.helmholtz-muenchen.de/ (Strahlenbelastung beim Fliegen)
Messedaten zu Radioaktivität in Deutschland online
Weniger Strahlung beim Röntgen, aber unzufriedene Strahlenschützer
http://www.ddn-online.net/uploads/smartsection/67_0607_schulze.pdf
Röntgenverordnung (Stand 2011) oder ©: Bundesministeriums der Justiz in Zusammenarbeit mit der juris GmbH - www.juris.de
Leitlinien der ADA und FDA zum zahnärztlichen Röntgen (2012, Englisch)

Strahlendermatitis ; Röntgendermatitis

Strahlenkaries
radiogene Karies, engl.: radiation caries; Schlagwortbezeichnung für eine kariöse Veränderung an den Zähne als Folge von Bestrahlungen im Kieferbereich. Hierbei sind nicht hauptsächlich die ursächlichen Kariesfaktoren ( Karies) verantwortlich, sondern eine Schädigung und damit Minderfunktion der im Strahlengang liegenden Speicheldrüsen ( Speichelmenge, Speichelpufferung; "Strahlenparotitis"), sowie (in sehr geringem Maße) Strahlungsschäden an der Schmelz- und Dentinstruktur selbst verantwortlich. Das Auftreten einer St. wird meist erst nach therapeutischen Behandlung von mehr als 50 Sievert (50 Gray, Gy) beobachtet.
Bedingt durch die intensive Säureproduktion der Plaque und einem fehlenden Auswaschungseffekt des veringerten Speichels kommt es zu einer Akkumulation der produzierten Säuren und einer Verschiebung der Mundflora; der Anteil der Streptokokken und Laktobazillen nimmt deutlich zu.
Als Prophylaxe sollte noch vor der Bestrahlungstherapie oder in anderen Fällen von verringerter Speichelbildung ( Xerostomie) eine vollständige Sanierung der Mundhöhle, lokale Fluoridapplikationen und eine Unterweisung in optimaler Mundhygiene erfolgen.
Kariesanfälligkeit, Kariesarten, Speichelersatzmittel, Strahlentherapie

 

 


Strahlenpilz , Strahlenpilzerkrankung; Aktinomykose

Strahlenrisiko
Strahlengefährlichkeit, engl.: radiation danger o. risk; statistische Aussage bezogen auf die Anzahl von Personen, welche hauptsächlich durch ionisierende Strahlung erkranken oder sterben werden, im Vergleich zu den Personen, die ohne diese zusätzliche Strahlung an der selben Krankheit erkranken oder sterben werden. Ein Bezug wird dabei i.d.R. auf krebsartige Erkrankungen (Hautkrebs, Leukämie usw.) genommen.
Ionisierende Strahlen jeder Art bewirken primär keine andere Veränderung bei einem Individuum, als diese nicht auch natürlicherweise auftreten könnte ("Spontanrate"). Deshalb sind Voraussagen für eine Einzelperson nicht möglich, sondern beziehen sich immer auf ein großes Kollektiv und leiten sich auch aus Beobachtungen davon ab (z.B. Hiroshima, Nagasaki). So ermittelt man bei diesem großen Personenkreis die betreffende Dosis ("Ortsdosis") ohne dabei z.B. Kinder explizit zu berücksichtigen. Allerdings sagt diese Ortsdosis wenig über die eigentliche Wirkung am Menschen aus, da individuell ein natürlicher Strahlenschutz (Kleidung, Aufenthaltsort usw.) bestehen kann. Aussagekräftiger wäre hier die effektive Dosis. Diese drückt die berechnete Ganzkörperstrahlenbelastung aus und berücksichtigt die unterschiedliche Strahlenempfindlichkeit der versch. Gewebe. Weiter ist bisher unklar, ob das St. linear verläuft (niedrige Dosis = niedriges Risiko; höhere Dosis = höheres Risiko) oder ob ein Schwellenwert besteht, unter dem keine statistisch nachweisbare Schädigung auftritt. Nimmt man eine lineare Abhängigkeit an, so ergeben sich bei einer Dosis von 2 Sv fünf zusätzliche Leukämiefälle und 20 zusätzliche Krebsfälle pro 10.000 Personen und Jahr. Zum Vergleich: Die Strahlengrenzwerte liegen bei beruflich exponierten Personen (Aufenthalt im Kontrollbereich) bei 20 mSv/Jahr und bei der Bevölkerung bei 1 mSv/Jahr.
Die Kollektivdosis für alle röntgenologischen Maßnahmen in D beträgt 1,7 mSv/Jahr. Davon macht der zahnmedizinische Anteil nur 0,2% aus (= 0,004 mSv/Jahr), dies trotz der mit 36% relativ hohen Anzahl an Aufnahmen. Dies zeigt eindrucksvoll, wie gering die Belastung durch eine zahnärztliche Röntgendiagnostik ist.
Der individuelle Risikofaktor für alle tödlich verlaufenden Krebsfälle durch ionisierende Strahlung wird auf 0,00005 pro 1 mSv vermutet. Danach ergibt sich für die gesamte Röntgendiagnostik in D: 1,7 (Kollektivdosis) x 0,00005 x 85 Millionen Einwohner = 7.225 hypothetische Fälle. Umgerechnet auf die 0,2% zahnmedizinischer Anteil entspricht dies 15 Fällen. Setzt man nun die natürliche Strahlenexposition von 2,4 mSv/Jahr dagegen, so würden sich - ohne jegliche medizinische Röntgenbelastung - 10.200 Fälle ergeben.
Die in der ZHK angewandten diagnostischen Röntgenstrahlen liegen im µ-Sievert-Bereich und sind mit einem Dosimeter nicht mehr messbar: 1µ = 1Mikro , Zehnerpotenz: -6 , Dezimal= 0,000 001 , Name: 1 Millionstel. Bei Beachtung des niedrig angesetzten Grenzwerts von 1 mSv/Jahr entspricht dies etwa 10.000 intraoralen Röntgenaufnahmen.

Das Strahlenrisiko in der Schwangerschaft ist extrem niedrig und im Uterus nicht messbar, da hier Werte von < 1 µSv geschätzt werden. Man geht davon aus, dass erst ab 50 - 100 mSv Missbildungen bewirkende (teratogene) Schäden auftreten können. Im Gegensatz zu genetischen Schäden werden teratogene Auswirkungen nicht vererbt.

Generelle Risiko-Einschätzung (Klaus Kocher, 2012, auf einer Mailing-Liste):
Grundsätzlich gilt im Bezug auf ionisierende Strahlung folgende Grundregel:
-- Ob durch ionisierende Strahlung eine Ionisation geschieht ist in erster und übergeordneter Weise abhängig vom Faktor Zufall.
-- Ob aus einer bzw. mehreren ionisierten Körperzellen eine Erkrankung z.B. ein Tumor entsteht ist in erster und übergeordneter Weise abhängig von der Veranlagung (Disposition) . Ein weiterer nachgeordneter Faktor ist die Verfassung (Konstitution) usw.
-- Da weder der Zufall noch die Veranlagung eindeutig vorhersehbar und bestimmbar sind, ist grundsätzlich jede künstliche Bestrahlung durch ionisierende Strahlen auf das absolut notwendige zu reduzieren.
-- Fast alle ionisierten Zellen in unserem Körper werden durch den Selbstreparaturmechanismus in unserem Körper wieder ausgeglichen. Nur in seltenen Fällen z.B. bei Störungen des Selbstreparaturmechanismus vor allem erzeugt durch ungesunde und unnatürliche Lebensweise wird diese Selbstreparatur gehemmt.
-- Künstliche ionisierende Strahlung (Wellenlänge kürzer als 1/10000 mm) wird auch erzeugt in Sonnenstudios, durch Haushaltsgeräte, Kühlschränke, Fernseher, Stereoanlagen usw.
-- Natürliche ionisierende Strahlung wirkt auf uns ein in Form von kosmischer Strahlung, Erdstrahlung, Radoninhalation usw.
-- Die vergleichende Maßeinheit für das Gefahrenrisiko das von unterschiedlicher ionisierender Strahlung ausgeht ist Sv.
-- Eine Schachtel Zigaretten / Tag entspricht 8,8 mSv / a . Ein Jahr lang schlafen neben einem Partner entspricht 0,02 mSv / a .
-- Ein 10 stündiger Flug entspricht 0,1 mSv / a . Eine Stuardesse eingesetzt im Interkontinentalverkehr ist einem Gefahrenrisiko von 5,7 mSv / a ausgesetzt. Eine 100 stündige Tätigkeit an einem Laptop birgt ein Gefahrenrisiko von 0,07 mSv / a. usw.
-- Eine PanoramaSchichtAufnahme (PSA) entspricht 0,1 mSv / a. Eine Zahnfilmaufnahme mit Film und Rundtubus angefertigt entspricht 0,02 mSv / a . Eine Zahnfilmaufnahme mit Film und Rechtecktubus angefertigt entspricht 0.008 mSv /a . Eine Zahnfilmaufnahme mit Sensor und Rechtecktubus angefertigt entspricht 0,006 mSv / a .


Tödliche Risikofaktoren aus anderen Lebensbereichen im Vergleich:
Rauchen = 7,2 %
Alkohol = 4,8 %
Verkehrsunfälle: = 1,1 %
Röntgendiagnostik = 0,3 %
Daraus erfolgt grob: 1 Std. im Straßenverkehr ist genauso "tödlich" wie eine Panoramaschichtaufnahme (PSA)
Hormesis, Radioaktivität, rechtfertigende Indikation, Strahlenbelastung
http://www.icrp.org

Strahlenschutz
vor (ionisierenden) (Röntgen-)Strahlen; radioprotection; Abschirmung gegen von außen einwirkende ionisierende Strahlung (Direktstrahlung und sog. Streustrahlung). Seit der Entdeckung von Radioaktivität und ionisierenden Strahlen im vergangenen Jahrhundert haben Verfahren, die diese physikalischen Phänomene nutzen, breite Anwendung in Medizin und Technik gefunden. Parallel zu den wachsenden Erkenntnissen über die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten wuchs das Wissen um mögliche Gefahren und Risiken.
Als S. hat sich das Element Blei als sehr wirkungsvoll erwiesen: So hat eine Bleischicht von 1 mm Dicke den gleichen Effekt wie eine ca. 10 cm starke Ziegelwand. Nach der Röntgenverordnung sind die zu untersuchenden Patienten (Anlegen von Bleischürzen oder Schildern, meist mit einer Stärke zwischen 0,2 und 0,4 mm) und das Praxisteam (Verbot des Aufenthaltes innerhalb des Kontrollbereiches ohne besondere Schutzmaßnahmen) besonders zu schützen.
§ 25 der deutschen RöV besagt: Die durch eine Röntgenuntersuchung bedingte Strahlenexposition ist so weit einzuschränken, wie dies mit den Erfordernissen der medizinischen Wissenschaft zu vereinbaren ist. Körperbereiche, die bei der vorgesehenen Anwendung nicht von Nutzstrahlung getroffen werden müssen, sind vor einer Strahlenexposition so weit wie möglich zu schützen (
ALARA-Prinzip).
Es werden zwei Strahlenschutzbereiche (radiation protection areas) unterschieden:
Kontrollbereich : Bereiche, in denen Personen im Kalenderjahr eine effektive Dosis von mehr als 6 Millisievert oder höhere Organdosen als 45 Millisievert für die Augenlinse oder 150 Millisievert für die Haut, die Hände, die Unterarme, die Füße und Knöchel erhalten können. (im zahnärztlichen Bereich: Umkreis von 1,5 Metern von der Röntgenröhre (Nutzstrahlenkegel)). Dieser Bereich ist abzugrenzen und während der Einschaltzeit zu kennzeichnen. Die Kennzeichnung muss deutlich sichtbar mindestens die Worte „Kein Zutritt – Röntgen“ enthalten; sie muss auch während der Betriebsbereitschaft vorhanden sein.
Überwachungsbereich: nicht zum Kontrollbereich gehörende betriebliche Bereiche (über 1,5 Meter bis 3 Meter), in denen Personen im Kalenderjahr eine effektive Dosis von mehr als 1 Millisievert oder höhere Organdosen als 15 Millisievert für die Augenlinse oder 50 Millisievert für die Haut, die Hände, die Unterarme, die Füße und Knöchel erhalten können.
Allerdings sollte nicht übersehen werden, dass wesentliche Grundlagen des S. auf Annahmen basieren, die unbewiesen oder grob vereinfachend sind. Dazu zählen beispielsweise die Verwendung der effektiven bzw. Organ-Dosis als maßgebende Größe im S. anstelle des mit der Bestrahlung verbundenen Gesundheitsrisikos, der bislang unbewiesene Ansatz einer linearen Dosiswirkungsbeziehung ohne Schwellenwert sowie die Vernachlässigung individueller Unterschiede beim Stoffumsatz und in der Strahlenempfindlichkeit.
ALARA-Prinzip, Behandlung in der Schwangerschaft, Bleischürze, Dosimeter, Filter, Gleichwert, Gonadendosis, Kollimator, Kontrollbereich, laterale Zahnaufnahme, Personendosis, Radioaktivität, Röntgenverordnung, Sievert, Strahlenbelastung, Strahlenrisiko, Strahlentherapie, Tubus, Zahnärztliche Stelle

Verordnung über den Schutz vor Schäden durch ionisierende Strahlen - 2012 - (Strahlenschutzverordnung - StrlSchV) oder © Gesetze im Internet
http://www.ssk.de/ 
Röntgenverordnung (Stand 2011) oder ©: Bundesministeriums der Justiz in Zusammenarbeit mit der juris GmbH - www.juris.de
Leitlinien der ADA und FDA zum zahnärztlichen Röntgen (2012, Englisch)
Weniger Strahlung beim Röntgen, aber unzufriedene Strahlenschützer

Strahlenschutzbereich,  engl.: radio protection area; Kontrollbereich, Strahlenschutz

Strahlensterilisation
Kaltentkeimung, engl.: sterilization by irradiation, radappertization; Sterilisation mit ionisierenden Strahlen; wirkungsvolles Verfahren zur Keimabtötung. Ebenso wie die Gassterilisation eingesetzt zur Keimbefreiung wärmeempfindlicher Materialien. Im Vergleich zur Gassterilisation ist der technische Aufwand geringer.
Nach http://www.bgs.de gilt:
"Da die Inaktivierung von Mikroorganismen durch physikalische oder chemische Mittel exponentiellen Gesetzen folgt, wird dieser absolute Zustand nicht erreicht. Es bleibt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mikro- organismus überlebt. Dieses Restrisiko ist in der EN 556 für Medizinprodukte, die in ihrer Endverpackung sterilisiert wurden, mit 10-6 festgelegt. Dies bedeutet, dass von einer Million Teilen eines Produktes, die in der Endverpackung sterilisiert wurden, maximal ein Teil gefunden werden darf, das mit vermehrungsfähigen Mikroorganismen behaftet ist."
Über die Gefährlichkeit von Reaktionsprodukten, die Bestrahlungsfolge sind und hauptsächlich bei Kunststoffmaterialien entstehen (Radiolyseprodukte), herrscht keine klare wissenschaftliche Meinung.
Plasma, Sterilisation

Strahlentherapie
Bestrahlung, Therapie mit ionisierenden Strahlen, Röntgenbestrahlung, Radiatio, engl.: radiotherapy, radiation treatment; Begriff bezeichnet meist die Anwendung von ionisierenden Strahlen ("Röntgenstrahlen") zur Verminderung/Ausschaltung des Zellwachstums bei bösartigen Geschwülsten; Einsatz entweder isoliert oder in Kombination mit einer Chemotherapie (= Radiochemotherapie). Einsatz besonders in der Tumortherapie ( Mundhöhlenkarzinom), wobei wissenschaftliche Meinungsverschiedenheiten darin bestehen, ob vor oder nach einer Operation bestrahlt werden sollte. Aus chirurgischen Gründen wird meist die nachherige S. bevorzugt. Bei Patienten, die mit einer simultanen Radiochemotherapie (Bestrahlung und Chemotherapie) behandelt wurden, ist die Schadenswahrscheinlichkeit der Speicheldrüsen (Strahlensialadenitis) im Mundbereich wesentlich erhöht. Diese Wahrscheinlichkeit nimmt mit zunehmender Strahlendosis deutlich zu. Patienten mit kombinierter Radiochemotherapie unterliegen somit einem höheren Risiko, infolge der onkologischen Behandlung und einer damit verbundenen Störung der Speicheldrüsen ( Sialadenitis) unter einer sehr unangenehmen Mundtrockenheit zu leiden; Xerostomie.
Es gilt bei der St. folgendes Grundprinzip:
Durch Strahlen vorgeschädigte Zellen können sich durch Reparaturvorgänge an DNS und RNS wieder erholen. Durch Zufuhr mehrerer nicht so hoher Einzeldosen (fraktionierte Bestrahlung) kann sich das gesunde Gewebe, nicht aber die Tumorzellen von den schädigenden Strahlenwirkungen rascher und besser erholen.
Etwa 60 bis 70 Prozent der Krebspatienten erhalten im Laufe ihrer Behandlung auch oder ausschließlich eine Strahlentherapie. Die rasanten technischen Entwicklungen ermöglichen inzwischen eine sehr präzise Planung der Behandlung. Die Therapie erfolgt intensitätsmoduliert und navigations-gesteuert auf der Grundlage bildgebender Verfahren wie CT, Magnetresonanztomographie und Positronenemissionstomographie.
Derartig tiefgehende Eingriffe in die Körperbiologie haben immer Nebeneffekte, die oft irreversibel sind und eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität mit sich bringen:
Die häufigste Begleiterscheinung auf zahnärztlichem Gebiet ist die Mukositis, die in ihrer Ausprägung von Art, Dosis und Dauer der S. abhängt - naturgemäß wird die gesunde Schleimhaut in der Umgebung des Tumors ebenso geschädigt wie das neoplastisches Gewebe. Der Schweregrad reicht dabei von der leichten, erythematösen Schleimhautreizungen über den epithelialen Zusammenbruch bis hin zur schweren Ulzeration und kann starke Schmerzen hervorrufen. Alle Stadien gehen mit einer entsprechend starken Beeinträchtigung der Nahrungsaufnahme einher. Im Extremfall kann für den Patienten eine künstliche Ernährung notwendig sein.
Speicheldrüsen haben sich als hochgradig radiosensitiv erwiesen: Auch zwei Jahre nach Ende einer S. erholte sich die Speichelsekretion der Krebspatienten nicht nennenswert. Maßgeblich für den Schweregrad dieses Schadens scheint dabei ausschließlich die verabreichte Gesamtstrahlendosis zu sein. Die durch die Bestrahlung ausgelöste Unterfunktion oder permanente Schädigung der Speicheldrüsen und der daraus resultierende qualitativ und quantitativ veränderte Speichelfluss können rapide fortschreitende Karies, Parodontitis, Candidiasis, Geschmacksstörungen und Zungenbrennen, Kau- und Schluckbeschwerden, sowie Attrition zur Folge haben. Bei Patienten, die mit einer simultanen Radiochemotherapie (Bestrahlung und Chemotherapie) behandelt wurden, ist die Schadenswahrscheinlichkeit der Speicheldrüsen im Mundbereich wesentlich erhöht. Diese Wahrscheinlichkeit nimmt mit zunehmender Strahlendosis deutlich zu. Patienten mit kombinierter Radiochemotherapie unterliegen somit einem höheren Risiko, infolge der onkologischen Behandlung unter einer sehr unangenehmen Mundtrockenheit zu leiden.
Ein weiteres gefürchtetes Problem stellt die Osteoradionekrose dar. Eine gründliche Mundhygiene seitens des Behandelten und professionelle zahnärztliche Maßnahmen/Überwachungen ( professionelle Zahnreinigung) können diese Nebenwirkungen erheblich reduzieren.

in jüngerer Zeit haben intensitätsmodulierte Strahlentherapieverfahren (IMRT) Einzug in die klinische Routine in der St. gehalten. Mit der so genannten Intensitätsmodulation, deren technische Spielarten auch die Tomotherapie und das Cyberknife umfassen, ist es möglich, hochkomplexe Zielvolumina zu umschließen und somit die Nebenwirkungswahrscheinlichkeit deutlich zu reduzieren.
Antibiotikaprophylaxe, Bestrahlung, Grenzstrahlen, Nachbestrahlung, Osteoradionekrose, Photodynamische Therapie (PDT), Sialadenitis, Speichelersatzmittel, Strahlenkaries, Xerostomie
Faltblatt: Als Krebspatient zum Zahnarzt (BZÄK, 2014)

Straight-wire-Technik
"Gerade-Bogen-Technik", Straight-wires = gerade Vierkantbögen; spez. Form der kieferorthopädischen Behandlung mit festsitzenden Apparaturen als Weiterentwicklung der Edgewise-Technik; 1970 von Andrews entwickelt.
Zur wissenschaftlichen umstrittenen Einstufung dieses Behandlungsverfahrens schreibt Prof. Sander:
"Die Straight-wire-Technik dürfte heute die am meisten verwendete Multibandtechnik sein. Der Vorteil dieser Technik besteht darin, dass bereits die Biegungen erster, zweiter und dritter Ordnung in den Brackets vorhanden sind. Dieses erleichtert in vielen Fällen die Behandlung der Patienten. Andererseits dürfen jedoch die Nebeneffekte nicht unbeachtet bleiben. Insbesondere verlangt diese Technik ein intensives Tragen des Headgears und nicht selten ist eine Vorbehandlung erforderlich."
Light-wire-Technik, Multibandtechnik, Segmentbogentechnik nach Burstone, Translation
http://d-nb.info/989777049/34 (S. 15)

Streptococcus mutans
"Kariesbakterium", engl.: streptococcus mutans; Kariesverursacher, Hauptbewohner der dentalen Plaque und als DER Kariesverursacher bezeichnet. Diese Eigenschaft beruht darauf, dass St. m. in Kombination drei Eigenschaften besitzt, die bei anderen Bakterien im Mund nicht anzutreffen sind:
mittels ausgeschiedener klebriger, zuckerartiger Substanzen haftet es selbst auf völlig glatten, unbeschädigten Zahnoberflächen und bildet Kolonien ( Biofilm), welche nur durch eine gründliche Zahnreinigung zu entfernen sind. Somit ist es Hauptbesiedler der dentalen Plaque.
weiter produziert das Bakterium in große Mengen Säure mit sehr niedrigem pH-Wert, welche die Zahnstrukturen demineralisieren
es spaltet Kohlenhydrat-Eiweiß-Verbindungen, wie sie in der Plaque und im Speichel reichlich vorkommen, in komplexe Kohlenhydrate.
St. m. befindet sich nicht von Geburt an in der Mundhöhle, da noch keine zur Festsetzung nötigen Zähne vorhanden sind. Es wird erst während des 1. Zahndurchbruchs von infizierte Bezugspersonen übertragen: Mittels Löffel, Schnuller oder Kuss ("kissing disease") erfolgt die natürliche Infektion meist durch die Mutter zwischen dem 19. und 31. Lebensmonat ( primär-primär-Prophylaxe). Dabei gilt: Je höher der St. m.-Befall der Mutter, um so größer auch die Anzahl dieser Karieserreger beim Kleinkind. Weitere Einflussfaktoren sind: Kaiserschnittentbindung (Kinder, die per Kaiserschnitt geboren werden, bekommen den Karies-Erreger etwa 12 Monate früher als vaginal geborene), hoher DMF-T der Mutter, Geschlechtskrankheiten (STD-Infektion) und niedriges Familieneinkommen. 
Je später diese Übertragung erfolgt, um so größer ist für andere, harmlosere Bakterien die Chance, sich dauerhaft in der Mundhöhle einzunisten um so den schädlichen Kariesbakterien den Platz streitig zu machen. Zwischen dem Streptococcus-mutans-Befall mit behandlungsbedürftiger Karies der Mutter und dem Auftreten aktiver Milchzahnkaries beim Kind lässt sich eine eindeutige Korrelation herstellen. Eine Studie aus 2003 zeigt, dass bei hohem Zuckerkonsum und bei aktiver Karies der Mutter das K. des Kindes jeweils um das Vierfache erhöht ist. Bei mehr als 50 Kolonien Streptococcus mutans in der mütterlichen Speichelprobe ist die Wahrscheinlichkeit für manifeste Karies beim Kind etwa elfmal höher. Die mütterliche Übertragung lässt sich bei hoher Besiedlungsdichte effektiv durch regelmäßige Behandlung der mütterlichen Zahnoberflächen mit Chlorhexidinlack eindämmen, während Ernährungsmaßnahmen oder die mechanische Plaqueentfernung (z.B. Zähneputzen) für eine langfristige Reduzierung nicht ausreichen.
Eine hohe Anzahl an St. m.-Keimen in der Mundhöhle, welche z.B. durch einen Speicheltest festgestellt werden, bedeutet nicht automatisch ein erhöhtes Kariesrisiko. Sie dient zwar als Indikator, kann aber in ihren Auswirkungen - bedingt durch ein individuell sehr unterschiedliches Immunsystem - sehr verschieden sein.
Eine Impfung gegen St. m.-Befall ist - entgegen anderweitigen Behauptungen - bisher (2010) nicht möglich ( Kariesimpfung).
Genmanipulationen, bei welchen neue St.m.-Bakterien gezüchtet werden, denen die Anhaftungseigenschaft fehlt und welche die kariesverursachenden natürlichen Bakterienstämme ersetzen (sog. "replacement therapy") zeigen bisher (2010) hoffnungsvolle Tendenzen aber keine praktischen Auswirkungen. Weiter besteht die Hoffnung, dass in Zukunft nitrithaltige Mundspülungen oder Gels entwickelt werden könnten, die die orale pH-Kontrolle erleichtern und Karies und Erosionen vorbeugen können. Mögliche Nebenwirkungen müssten jedoch zunächst noch ausgiebig abgeklärt werden.
Andere Denkansätze zielen im Rahmen der Nano-Technologie auf eine Imprägnierung der Zahnoberfläche mit Antihaftmitteln ab: easy to clean effect
Bakterium, Karies, Kariesbakterien, Kariesimpfung, Kariesrisiko, Laktobazillen, Leitkeime, Milchsäure, Mundflora, Plaque, primär-primär-Prophylaxe, Speicheltest, STAMPs, Xylitol
Karies und seine Verursacher - Ein Pilz ebnet der Zahnfäule den Weg (NZZ, 2014)

Streptokokken
auch Kettenkokken, engl.: streptococcus; wie die Staphylokokken zu den Eiterbakterien gehörende, perlenschnurförmige Ketten bildende, grampositive Bakterien. Nach einer amerikanischen Biologin werden St. serologisch in sog. Lancefield Gruppen (engl.: Lancefield's classification) eingeteilt ( http://de.wikipedia.org/wiki/Lancefield-Einteilung).
Bekanntester Vertreter in der Zahnmedizin ist das Kariesbakterium Streptococcus mutans.
Streptokokken-Infektionen sind ein ernsthaftes und oft unterschätztes Gesundheitsproblem: Jedes Jahr infizieren sich weltweit rund 40 Millionen Menschen mit dem Keim. Häufige Krankheitsbilder sind Scharlach, Hals- und Mandelentzündungen sowie - besonders gefährlich - das akute rheumatische Fieber (ARF), das zu schweren Entzündungen in Herz, Gelenken, Haut und Nervengewebe führt. Während solche Infektionen in Industrienationen meist rechtzeitig und gründlich behandelt werden, enden sie in armen Ländern mangels medizinischer Versorgung oft tödlich.
Bakterien, Erysipel, Gram Färbung, Lactobazillen, Markerkeime, Mikroorganismen, Milchsäure, Mundflora, Staphylokokken, Streptococcus mutans

Streptomycin
1943 entdecktes, erstes Antibiotikum gegen Tuberkulose. Bei einer geringen therapeutischen Breite hat es ein breites Wirkungsspektrum, vor allem gegen Gram-negative Keime. Längere Einnahme führt zu Ertaubung, Gleichgewichtsstörungen und Nierenschäden. In der ZHK ohne Bedeutung.

Stress
Anstrengung, erhöhte Belastung physischer bzw. psychischer Art, abgeleitet von "stringere" = spannen, fordern,  engl.: stress, pressure; viele Untersuchungen zeigen, dass ein andauernder S. auf Dauer zu erheblichen Erkrankungen führen kann ( Disstress). Nicht nur belastende Situationen können S. auslösen. Mitunter wird auch das Ausbleiben von Ereignissen zur Belastung, etwa ungewollte Kinderlosigkeit, unerwiderte Gefühle oder eine nicht realisierbare Karriere.
Auswirkungen des S. sind in der ZHK besonders im Zusammenhang mit Zahnfleisch- und Kiefergelenkserkrankungen bekannt. So ergaben sich nach Untersuchungen (Krahwinkel T et al: Zusammenhang zwischen Stressparametern und Parodontopathie. Quintessenz. 2003) statistisch signifikante Unterschiede zwischen Patienten mit chronischer Parodontitis und Kontrollpersonen bei Problemen im persönlichen Bereich, privatem Umfeld und Familie (z.B. Verlust eines Menschen) und im Beruf/Ruhestand. Ob der Zusammenhang zwischen Stressfaktoren und Parodontitis ausschließlich auf mangelnde Mundhygiene, veränderte Verhaltensweisen, genetische Komponenten oder Störungen des Immunsystems zurückzuführen ist, ist noch nicht bekannt. Die Daten stützen den Ansatz, die Parodontitis als das Ergebnis einer komplexen Wechselwirkung vieler Faktoren zu betrachten.
Als Zusammenhang wird vermutet, dass Menschen in einer Stress-Situation ein bestimmtes Protein in ihren Körperzellen aktivieren, das Entzündungen und Abbauprozesse auslöst und in Gang hält. Als typische Stresshormone gelten Adrenalin und Noradrenalin.
Eng mit dem S. verbunden ist das Burnout-Syndrom (burnout = "ausgebrannt"; http://de.wikipedia.org/wiki/Burnout-Syndrom), welches als eine unangemessene Reaktion auf berufliche Herausforderungen verstanden wird und mit sich verschlechternder Arbeitsleistung und gesundheitlichen Problemen einhergeht.
Aphthe, CMD, Immunsuppression, Kariesrisiko, Parafunktion, Parodontitisrisiko, Schmerz, Verkehrsfähigkeit

Stressgeschiebe
Entlastungsgeschiebe, Tosionsgeschiebe, engl.: relief attachment; vor allem bei Brücken mit großer Spannweite im UK-Seitenzahnbereich eingesetzte Geschiebeart, um der natürlichen Eigenrotation des Unterkieferkörpers entgegenzuwirken. Derartige chronische Rotationskräfte können zu einer Ablösung der Brücke von einem der Pfeilerzähne oder zu einer Beschädigung der Brücke selbst (z.B. Abplatzen von Keramik) führen.
Brücken, Geschiebe, Schubverteilungsarm


Streustrahlung
engl.: scattered radiation; einfallende (Röntgen-)Strahlen, die ihre Richtung verändern; eine Strahlung, die im Patienten erst entsteht und für die Bildqualität nachteilig ist. Je dicker das Objekt und je höher die Energie der Strahlung, umso mehr St. fällt an.
Unterteilung in klassische Streuung und die Compton-Streuung. Während die Hauptmasse der Strahlung - je nach Material unterschiedlich stark - absorbiert wird und dadurch ein Röntgenbild entstehen lässt, bewirkt die St. eine Qualitätsverminderung des Ergebnisses (Kontrastabschwächung). Kompensationsmaßnahmen sind eine Verkleinerung des Patientenvolumens mittels Kleinfeldtubus oder/und Verwendung eines Langfeldtubus bzw. Einsatz eines Streustrahlenrasters zwischen Patient und Film.
http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6ntgenstrahlung ; http://www.agrv.de/download/roentgen.pdf

Stripkrone , Frasaco-Krone

Stripping
auch approximales Stripping, engl. wörtlich "Abstreifen"; Schlagwortbezeichnung für das Abtragen von Zahnsubstanz im Gebiet des Kontaktpunktes oder der seitlichen Kontaktfläche zweier Zähne mittels Schmirgelstreifen ("Strips"). Anwendung zur Beseitigung leichter Engstände im Frontzahnbereich als unterstützende kieferorthopädische Maßnahme oder zum Beseitigen von Engständen bei sonst normaler Zahnstellung, wenn sich z.B. die Zahnseide nicht zwischen zwei benachbarten Zähnen durchführen lässt.
Ebenfalls lässt sich ein S. maschinell durchführen, um bekannte Schwierigkeiten der handbetriebenen Instrumenten, wie ein zu geringer Schleifweg oder regelmäßig auftretende Verklemmungen zu vermeiden.
Separieren


brasseler.marcant.net/
( © der Grafik)

Strontiumchlorid ; Zusatz in Zahnpasten gegen überempfindliche Zahnhälse und Vorbeugung gegen Zahnfleischerkrankungen; bekanntes Präparat: Sensodyne™; http://www.chemikalienlexikon.de/cheminfo/0522-lex.htm

Stuart Artikulator
Stuart-Pantograph, individuell einstellbarer (voll-justierbarer) Artikulator; von einem der "großen" amerikanischen Gnathologen (neben Thomas, Stallard und McCollum) entwickelter Artikulator, welcher auf die Prinzipien der Pantographie abgestimmt ist.
http://www.spitta.de/ ; http://www.opus-bayern.de/uni-wuerzburg/volltexte/2004/880/pdf/Dissertation_Orth.pdf

Stufe
Stufenpräparation, Schulter, engl.: ledge, shoulder (grooving) preparation; zahnärztlicher Begriff aus der Präparationstechnik; im Gebiet des Zahnfleischrandes wird der bearbeitete Zahn ( Zahnstumpf) bei einer Füllung oder Krone mit einer etwa 90°- S. (Rechtwinkelstufe, siehe Abb.) versehen, um z.B. eine Füllung statisch optimal abzustützen und/oder - wie bei einer Krone - diese Zahnersatzarbeit nicht breiter als den Zahn selbst zu gestalten. Durchgeführt werden derartige Präparationen mit Diamanten, welche bei ihrer walzenähnlichen Struktur eine Stirnfläche aufweisen. Damit wird dann der sog. Stirnschliff durchgeführt.
Von der zahnärztlichen Technik her stellt die Stufenpräparation den höchsten Aufwand beim Bearbeiten eines Zahnes dar, allerdings bedeutet sie für den Zahn im Vergleich zu anderen Präparationsarten auch den höchsten Substanzverlust. Aus diesem Grund sind besonders bei jugendlichen Patienten - wegen eines noch weit ausgedehnten Zahnnervs - S. häufig anatomisch nicht möglich, ohne die Pulpa nachhaltig zu schädigen bzw. eine nicht gewünschte Wurzelkanalbehandlung folgen zu lassen.
Untersuchungen zeigen, dass bei der Hohlkehlpräparation oder einer abgewinkelten 135°-Stufe eine bessere Anpassung an das marginale Parodontium erreicht werden kann als mit der klassischen 90°-Stufe (Rechtwinkelstufe); Abformungstechnik und -material scheinen das Ergebnis hingegen weniger stark zu beeinflussen.

Abschrägung, Hohlkehlpräparation, Keramikschulter, Konvergenzwinkel, Präparation 
Kronen auf Zahnwissen.de



Präparation einer
zirkulären
 St. zur Aufnahme
einer Keramikkrone
(Modell)

Stumpf , zahnärztlich bearbeitete ("beschliffene") Zahnkrone, engl.: stumb, stub; Zahnstumpf

Stumpfaufbau, engl.: (endodontic) post; Aufbaufüllung, parapulpäre Stifte, Stiftaufbau

Stützelement ; engl.: occlusal rest bar; Vorrichtung an einer Teilprothese, welche die auftretenden Kaukräfte auf die Zähne und das Parodontium weiterleitet und ein Absinken des Ersatzes verhindert.
  Auflage, Klammer, Prothese-abgestützte, Stützfeld (Abbildung), Verbindungselement

Stützfeld
Unterstützungspolygon, engl.: prosthesis supporting area; statischer Begriff bei einer abgestützen Teilprothese. Es bezeichnet die Fläche, die aus den peripheren Verbindungslinien (Stützlinien, Auflageachsen) aller Stützelemente gebildet wird und parodontal getragen ist. Das S. sollte aus statischen Gründen ("Tischbeinprinzip") im Verhältnis zum Gesamtzahnersatz möglichst groß sein und auf mehreren Pfeilern ruhen. Da Konstruktionen mit nur zwei Stützelementen kein S. aufweisen, sind diese generell von der Statik her problematisch.
Abstützung



Stützfeld


Stützlinie

Stützlinie, engl.: prosthesis supporting area; Klammerstützlinie

Stützstiftregistrierung
Stützstiftverfahren, Kieferrelationsbestimmung, engl.: bearing device registration; meist im zahnlosen oder wenig bezahnten Kiefer angewandte Bestimmung der Lage von Ober- und Unterkiefer zueinander. Die S. stellt eine einfache Festlegung der Unterkieferlage in Bezug zum Oberkiefer dar. Bei krankhaften Befunden ist dadurch nur ein kleiner Bereich der häufig notwendigen, umfassenderen Funktionsanalyse abgedeckt.
Die Registrierung erfolgt mit einem intraoralem zentralem Stützstift, welcher die horizontale Kieferrelation in Form des "gotischen Bogens" (Grenzbewegung des Unterkiefers in einer Ebene, die parallel zur Kauebene liegt) registriert. Ihr voran erfolgt i. d. R. eine konventionelle Wachswallrelationsbestimmung ( Bissnahme) der vertikalen Anstände. Durch den zentralen Stützstift werden zusätzlich die Biss-Schablonen gleichmäßig beidseitig auf die Kieferschleimhaut gedrückt.
Bissnahme, Gerber, Handbissnahme, Kieferrelationsbestimmung, Registrierung, TMJ-Artikulator, Unterkiefergrenzbewegungen
 Zahnwissen-Festzuschüsse ab 2005







Stützzone
engl.: supporting area;
1.) die prothetische Stützzone wird gebildet aus den großen und kleinen Backenzähnen beider Kiefer; sie bestimmt die Bisshöhe. Der Begriff leitet sich von einer Abstützung des Zusammenbisses ab. Bei einer fehlenden St. ( Stützzonenverlust) nähert sich der Unterkiefer unverhältnismäßig zum Oberkiefer hin, da die Schneidezähne beider Kiefer sich nicht abstützen können und deshalb aneinander vorbei gleiten (s. Abb.; Senkbiss).
2.) unter einer kieferorthopädischen Stützzone versteht man das Gebiet hinter (distal) dem seitlichen Schneidezahn bis zum 1. großen Backenzahn (sog. 6 Jahr Molar).
Von einem Stützzoneneinbruch spricht man, wenn es durch eine Mesialwanderung der 6 Jahr Molaren (frühzeitiger Verlust der entsprechenden Milchzähne) zu einem Platzmangel kommt, und deshalb die kleinen Backenzähne und/oder Eckzähne nicht regelrecht durchbrechen können ( Platzhalter, Tanaka-Formel)
Abstützung, Eichner-Klassen, Engstand, Erhaltung von Milchzähnen, leeway, Moyers Analyse, Raphe-Papillen-Transversale, Senkbiss, Tiefer Biss, Zahnbreite
 



Stützzonenverlust ; engl.: missing posterior support or posterior bite collapse); fehlender Antagonistenkontakt durch Zahnverlust innerhalb der Stützzone

subakut ; subacutus; mäßig in der Ausprägung, unterschwellig, klinisch von geringerer Ausprägung. Begriff in der ZHK geläufig im Zusammenhang mit Entzündungen; Abszess

subgingival
unterhalb des Zahnfleischsaums, engl.: do.; Lagebezeichnung für ein Gebiet, welches meist mit dem der Zahnfleischtasche identisch ist. I.d.R. dürfen Eingriffe in diesem Bereich nur von approbierten (Zahn-)Ärzten durchgeführt werden ( Dental Hygenist). Das Gegenteil von s. ist supragingival.

subkutan , direkt unter die (Schleim-)Haut, engl.: beneath the skin; perkutan

sublingual, sublingualis; Lagebez. für unter der Zunge liegend, unter der Zunge befindlich

Sublingualbügel , Unterzungenbügel, Verbinder

Sublingualrolle
linguale Rille um den M. genioglossus, Methoden zur Verbesserung des Prothesenhaltes: für eine extensive Ausformung des sublingualen Bereiches wird eine sog. "Sublingualrolle" im ehemaligen Frontzahnbereich (evtl. auch noch im Gebiet der Tuberkula) aus Strentsmasse auf den Funktionslöffel angebracht und ausgeformt. Hierdurch wird die stark bewegliche Schleimhaut des Unterzungenraumes nach dorsal gedrängt und dadurch eine bessere Abdichtung des Prothesenrandes in diesem kritischen Bereich erreicht. Anschließend wird der Unterkiefer unter Durchführung von Funktionsbewegungen wie bei einem Funktionsabdruck abgeformt.
Extensionsabdruck, Überextension, Unterzungenflügel
http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/diss-online/05/05H160/t5.pdf

Subluxation
unvollständige Verrenkung eines Gelenks, engl.: (temperomandibular joint) subluxation; in der ZHK von zweierlei Bedeutung:
  • traumatische Subluxation
    eines Zahnes, welcher gelockert, aber sich an Ort und Stelle befindet. Dabei ist das Alveolarfach gedehnt oder gestaucht und die Fasern des Zahnhalteapparates sind (ein-)gerissen. Meist ist bei völliger Ruhigstellung über 4 - 6 Wochen (Schiene) und einer positiven Vitalitätsprüfung eine Einheilung und normale Funktion des Zahnes wieder möglich.
    traumatische Zahnverletzungen
  • Subluxation des Kiefergelenks (Kondylushypermobilität; engl.: condylar subluxation)
    ohne die Gelenkpfanne zu verlassen, befindet sich das Kiefergelenksköpfchen vor oder hinter dem Discus (s. Abb.; Köpfchen befindet sich hinter dem Diskus). Dadurch ist keine regelrechte Funktion mehr möglich, der Mundschluss ist behindert, wenn das Köpfchen nach hinten, und die Mundöffnung ist erschwert, wenn das Köpfchen nach vorn verlagert ist.
    Der Begriff "Luxation"  wird in der neueren Literatur z.T. durch "Verlagerung" ersetzt; z.B.: statt "Diskusluxation" wird "Diskusverlagerung" gebraucht.
    Häufig wiederkehrende S. werden als habituelle Subluxation bezeichnet; s. a. unter Diskusverlagerung

Hippokrates-Handgriff, Kiefergelenksbeschwerden, Kiefergelenkluxation, Kiefersperre, Luxation, traumatische Zahnverletzungen, Verriegelungsoperation

 

 

 

 



Subluxation des
Kiefergelenks

submandibulär , engl.: submandibular; unter dem Unterkieferkörper liegend bzw. befindlich

Submukosa , Gewebe unter der (Mund-)Schleimhaut, engl.: submucosa; Mukosa

submuköser Abszess, engl.: gumboil; submukös = unter der (Mund-)Schleimhaut befindlich, Abszess

Submukosa ; engl.: submucosa; häufig unter der Mundschleimhaut befindliches lockere Bindegewebe

Subnasale
Subnasalpunkt, Sn, "Nasenwinkel", engl.: subnasal point; der am weitesten dorsal gelegene Punkt der Nasen-Lippen-Kurvatur (Übergang Nasensteg zur Oberlippe). Die S. trennt das Mittelgesicht vom Untergesicht. Im Durchschnittsgesicht liegt die S. auf der Nasionsenkrechten (Vorgesicht = Subnasale liegt vor der Nasionsenkrechten ; Rückgesicht = Subnasale liegt hinter der Nasionsenkrechten).
Biomet-Gesicht




Substantivität
ausreichende Verfügbarkeit, engl.: substantivity; Vermögen eines Medikamentes/Wirksubstanz am Einsatzort über längere Zeit verfügbar zu sein. Mangelnde eigene S. wird meist durch Koppelung des Medikaments an Begleitsubstanzen kompensiert.
Chlorhexidin, Olaflur, Triclosan

Subtraktionsradiographie
digitale, DSR, digital image radiography-subtraction; Kombination der digitalen Bildverarbeitung mit der digitalen Radiographie mit dem Ziel, alle anatomischen Strukturen, außer jenen von unmittelbarem Interesse, auszublenden. Bei dieser Methode werden zu verschiedenen Zeitpunkten Röntgenaufnahmen angefertigt und miteinander verglichen, um so Veränderungen in der Zahnhart- (z.B. Fortschreiten einer Karies) oder der Knochensubstanz (An- und Abbau von Knochen) zu erfassen. Der Vorteil dieses Verfahrens ist, dass alle unveränderten anatomischen Strukturen digital eliminiert werden und nur die eigentlichen Veränderungen sichtbar gemacht werden.
http://www.bzb-online.de/okt06/52.pdf

Suktor ; Absauganlage

Sulfonamide ; bakteriostatische Chemotherapeutika; engl.: sulfonamides; Antibiotika, Chemotherapeutika

Sulkus
auch Sulcus, Furche, engl:. groove, sulcus; etwa in Höhe des Zahnhalses zirkulär um den Zahn verlaufende Zahnfleisch-Furche, welche im gesunden Zustand zwischen 0,1 u. 2mm tief ist. Wird nach apical durch den Epithelansatz begrenzt.

biologische Breite, dentogingivaler Verschluss, krevikulär, Kronenrand, Saumepithel, Sulkusflüssigkeit, Taschenboden, Taschentiefe, Zahnfleischtasche


Sulkus-Blutungs-Index ,   SBI

Sulkusflüssigkeit
Gingivafluid
, Sulkusfluid, Taschenfluid, Taschensekret, engl.: sulcus fluid; überwiegend aus Blutplasma bestehendes Exudat, welches vom Bindegewebe stammend durch das innere Saumepithel in den Sulkus (Zahnfleischtasche) ausgeschieden wird. Geringe Mengen gelten als physiologisch; deutlich vermehrt ist die S. bei Entzündungen des Zahnfleisches (Gingivitis, Parodontitis), wo die S. durch kontinuierliche Erneuerung innerhalb einer Stunde über 40mal ausgetauscht wird. Bei fortgeschrittener Parodontitis nimmt die Menge allerdings wieder ab. Sulkusflüssigkeits-Fließrate

Sulkusflüssigkeits-Fließrate
SFFR
, Sulkus-Fluid-Fließ-Rate, engl: sulcus fluid flow rate;  mengenmäßige (quantitative) Bestimmung der Sulkusflüssigkeit in einer Zahnfleischtasche. Die Menge der Flüssigkeit geht mit dem Grad einer Entzündung der Zahnhalteapparates ( Parodontitis) einher. Dies ist bedingt durch eine Permeabilitätserhöhung der unter dem Sulkus- und Saumepithel gelegenen Gefäße bei einer Entzündung. Die Volumenbestimmung der Sulkusflüssigkeitsmenge erfolgt z.B. mit dem Periotron®- Gerät, das Feuchtigkeitssensoren besitzt und Flüssigkeitsmengen bis in den Nanoliterbereich messen kann.

Summationseffekt
Röntgensummationseffekt
, Superpositionseffekt, Überlagerungseffekt, engl.: additive or cumulative effect; im Gegensatz zu einer Schichtaufnahme werden bei den Standard-Zahnaufnahmen ("intraoraler Röntgenfilm") dreidimensionale Strukturen auf einen zweidimensionalen Film projiziert. Dadurch ist das entstandene Bild eine Summe der Absorptionseffekte versch. Gewebestrukturen. Liegen im Strahlengang vor dem abzubildenden Objekt Körperstrukturen, die weniger Röntgenstrahlung absorbieren, so erscheint das Objekt auf dem Film heller (= Substraktionseffekt); umgekehrt spricht man von einem Additionseffekt. Bekannt ist die sog. trianguläre Radioluzenz: bedingt durch anatomische Besonderheiten kann an der Mesialfläche oberer Milchmolaren und erster bleibender oberer Molaren eine kariestypische Aufhellung als Substraktionseffekt im Röntgenbild entstehen.
Vermeiden lassen sich diese Effekte z.B. durch eine exzentrische Projektion, dies allerdings auf Kosten der exakten Größenverhältnisse (Verzerrung, s. Abb.) oder aufwendige Verfahren in der 3. Dimension.
bildgebende Verfahren laterale Zahnaufnahme, Röntgendiagnostik, Zonographie



Superinfektion engl.: superinfection; Infektion

supragingival ; oberhalb des Zahnfleischsaums, engl.: do.; Gegenteil: subgingival ; supragingivaler Zahnstein

Suprakonstruktion
implantologischer Begriff für "DAS, was auf das Implantat aufgesetzt wird" (alle prothetischen Konstruktionen, welche auf Implantaten ruhen) , engl.: (implant) superstructure, framework;
Abdruckpfosten, Abutment, bedingt abnehmbar, Gingivaformer, Implantat, Konnektor, Mesostruktur, Pink Esthetic Score, Sofortbelastung, Zylinderimplantat,intramobiles
 Zahnwissen-Festzuschüsse ab 2005
verkürzte Zahnreihe und Suprakonstruktion oder ©: IQWiG (2009)

Supraokklusion
Supraposition, Tiefstand (ungebr.), engl.: supraocclusion, overeruption; das Herausragen eines Zahnes oder mehrerer Zähne über die Okklusionsebene hinaus. Meist bedingt durch fehlende Gegenzähne. Gegenteil Infraokklusion
Nonokklusion, Okklusion

Supramentalfalte
Unterlippen-Kinnfurche, Sulcus mentolabialis, engl.: supramental o. chin fold; mittig unterhalb der Unterlippe befindliche Einziehung, welche besonders bei kleinem Untergesicht (z.B. Deckbiss) ausgeprägt ist. Unterscheidung in: verstrichen, unauffällig, ausgeprägt = höchstwahrscheinlich Klasse II,2, eventuell II,1, niemals III).

Suprawölbung ,engl.: supra-curvature Äquator, Infrawölbung

Surfactants
oberflächenaktive Substanzen, welche hydrophile und hydrophobe Bindungsstellen besitzen, und so die Verbindung von Wasser und organischen Substanzen ermöglichen. Adhäsivtechnik

Süßstoffe ; engl.: sweetener; sog. Zucker-Alternativen Zuckerersatzstoffe

Sutur
Sutura
; Begriff mit versch. Bedeutung:
1.) Verwachsungsstelle bestimmter Schädelknochen, z.B. Gaumennaht = Sutura palatina
2.) Wiederzusammenfügen von Gewebe durch eine Naht

symmetrische Extraktion , Ausgleichsextraktion

Sympathikus
einer der Nerven des vegetativen Nervensystems. Er befindet sich in einem unterschiedlichen Zustand der Erregung (sog. Sympathikotonus) und kann mit seinem "Gegenspieler" - dem Parasympathikus - zahlreiche Organfunktionen beeinflussen. Dabei bewirkt der S. ein positives Stimmungsbild und eine Leistungssteigerung des Gesamtorganismus. Weitere Auswirkungen sind u.a. eine Pupillenerweiterung, eine Beschleunigung der Herztätigkeit, eine Erweiterung der Herzkranzgefäße, eine Verminderung der Drüsenaktivität des Magen-Darm-Trakts und seiner Peristaltik.
Adrenalin

Symphyse ; engl.: symphysis; Verbindung/Zusammenwachsen zweier Knochen durch Faserknorpel, z.B. des Kinns durch die paarige angelegten Unterkieferknochen (Symphysis mandibulae) in den ersten 6 Lebensmonaten.

symptomatisch
engl.: symptomatic; nur auf die Symptome (einer Krankheit) bezogen. So bedeutet z.B. der Ausdruck "symptomatische Zahnfleisch-Therapie", dass eine schmerzhafte Entzündung des Zahnfleischs nur mit schmerzstillenden Maßnahmen (Salben, Schmerztabletten usw.) behandelt wird. Im Gegensatz dazu steht der Ausdruck kausal (= den Grund, die Ursache behandelnd)

Synapse
Kontaktstelle zwischen zwei Nervenzellen (Neuronen) bzw. zwischen einem Neuron und einer Muskelzelle, zur Übertragung des Aktionspotentials. Die Reizübertragung erfolgt u.a. biochemisch durch Acetylcholin oder Noradrenalin. Nerv

Syncheilie ; engl.: synchilia; teilweise oder komplette, angeborene Lippenverwachsung

Syndesmose , engl. syndesmodial joint Sharpey Fasern

Syndrom
engl.: syndrome; gleichzeitiges, gemeinsames Auftreten verschiedener (Krankheits-)Merkmale mit ähnlichem Krankheitsbild, deren gemeinsames Auftreten einen bestimmten Zusammenhang oder Zustand vermuten lässt. Häufig nach den Entdeckern des S. benannt, z.B. Costen-Syndrom
Morbus

Synkope
"Kreislaufkollaps", plötzlich einsetzende, kurze Bewusstlosigkeit, welche ebenso rasch wieder verschwindet. Ursache ist i.d.R. eine kurzzeitige Minderdurchblutung des Gehirns (z.B. rascher Körperlagewechsel wie plötzliches Aufstehen).
Ohnmacht

Synodontie ; Zahnverschmelzung

Syphilis
"Lustseuche", Lues venerea, engl.: do. o. treponemiasis; durch Spirochäten (Treponema pallidum) hervorgerufene chronische Infektionskrankheit (Geschlechtskrankheit, Meldepflicht) mit klinischer Einteilung in
  Primärstadium (Schankerbildung, lokale Lymphadenopathie),
  Sekundärstadium (Fieber, generalisierte Lymphadenopathie, papulöse Infiltratbildungen; s. Abb. Mitte) und
  Spätstadium (Gummen, Aortitis, Aneurysmen, Tabes dorsalis; s. Abb. u.).
Zur Diagnose werden i.d.R. serologische Nachweisverfahren (s.u.) angewandt; eine Therapie erfolgt i.d.R. durch Penicilline.
Generell ist die S. in den letzten Jahren (2007) wieder im Zunehmen begriffen: So wurde ein verstärktes Auftreten der infektiösen Syphilis, besonders in Europa, aber auch in den USA registriert. Mehr als 3.000 Fälle von S. sind im Jahr 2007 in Deutschland gemeldet worden. Damit haben sich die Infektionszahlen seit 2004 stabilisiert.
Eine Diagnose ist nur serologisch möglich, wobei möglichst mehrere der Syphilis-Parameter VDRL, RPR, TPHA und FTA-IgM und TFA-IgG bestimmt werden sollten. Bei Nichterkennung/-behandlung kann es Jahre später zur Tertiärinfektion mit Bildung von Gummen und Befall des Nervensystems (Neurolues) kommen.
Zahnärztlicherseits ist zu beachten:
  Nicht selten treten Mundschleimhautveränderungen im Rahmen einer S. auf.
 Der Erreger kann durch Blut und Speichel übertragen werden.
 In 10% der Fälle liegen weitere Allgemeinerkrankungen (z.B. HIV) vor.
Lues connata, Maulbeermolar, Primäraffekt, Wismutsaum

 




Primäraffekt an der Lippe



Sekundär-Stadium

 

 



Gummen

systematische Übersicht
engl.: systematic review; kritische Interpretation und Zusammenfassung aller denkbaren Informationen zu einem bestimmten Thema/einer best. Erkrankung; derartige Interpretationen liefern die sichersten und genauesten Informationen zu einem bestimmten Gebiet/Erkrankung.
Evidence

systemisch
engl.: systemic; den ganzen Körper betreffend, auf den gesamten Organismus einwirkend. So ist die "systemische Zufuhr" eines Medikamentes so zu verstehen, dass diese Substanz nicht gezielt an Ort und Stelle eingesetzt wird ( topisch), sondern sich im ganzen Körper verteilt (dies ist die Regel bei einer Medikamenteneinnahme); eine systemische Erkrankung kann mit Allgemeinerkrankung übersetzt werden.

SZ ; Abk. für Seitenzahn

Szintigramm ; engl.: scintigram; bildliche Darstellung einer nuklearmedizinische Untersuchung; Knochenszintigraphie


zu Sa-Sm

[ Autor: Dr. Klaus de Cassan ]    [ Anfragen ]
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